Ab in den Norden!

31 05 2007

Heute fahren Sie und ich zu ihren Eltern in Kanazawa. Kanazawa ist „nördlich-gegenüber“ von Nagoya auf der Hauptinsel Honshu. Ich bin schon ein bisschen aufgeregt… Meine japanisch-Kenntnisse sind seit dem letzten Mal nicht wirklich gewachsen und ich weiss wie übersetzungsfaul Sie ist. Ich freue mich aber vor allem auf ein Wiedersehen mit ihren Eltern und ihrer Schwester, die wirklich extrem nett waren beim letzten mal, selbst wenn die Verständigung nur mit Händen und Füssen funktioniert. Dass die Japaner auch kein Englisch können… Falls ich doch jemanden finde der mich entweder versteht oder sich für mich verständlich ausdrücken kann, ohne dass sich irgendjemand verrenken muss bin ich immer wieder sehr froh und glücklich.

Hier noch 2 Fotos von einem viel zu grossen Appartement-Haus in der nähe der Wohnung:

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Eine kleine Stadt in der Stadt

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Ich mag diese Strommasten 🙂

Nun noch schnell zur Vokabel des Tages, dann muss ich packen. Diesmal sinds sogar zwei!

Otosan = Vater

Okasan =  Mutter

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Aus der Betonwüste

30 05 2007

Ich bin gerade von einem 4 Stunden Spaziergang in Nagoyas „Downtown“ gekommen. Gleich am Anfang schlechte Nachrichten für Anton: Das Spiel hab ich nich gefunden. Es gibt zwar noch eine Handvoll Dreamcast-Spiele, aber deines leider nicht. 😦

Ich hab ein paar Fotos gemacht, ich finde Großstädte haben eine besondere Ästhetik. Ich will nicht sagen hübsch, aber irgendwie… spannend.

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Mitten im Einkaufszentrum: Ein buddhistischer Tempel

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Strassenschluchten

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Betonklotz

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Beton, Stahl, Glas

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Beton

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Betonautos zwischen Betonbäumen und Betonhäusern

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Strommast

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Blechlawine auf Beton

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Spielen unter der Hochstrasse (aus Beton)

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City Betonlights

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Betonmond

Vokabel des Tages: konkuriito = wie im englischen (concrete = Beton). Es gibt sehr viele solcher Wörter im japanischen, warum auch neue Wörter erfinden?





Ausflug nach Inuyama – Teil II: DAS Museum für Zeitgenössische Kunst

29 05 2007

Der Momotaro-Schrein und seine besondere, etwas morbide Stimmung – die alten Zement-Figuren die eine so seltsame Geschichte erzählten, die angerosteten bunten und quietschenden Schaukeln – hatten einen interessanten Eindruck auf mich hinterlassen. Wir liefen noch etwas an dem Fluss entlang, der damals angeblich den berühmten Pfirsich trug. In dieser grünen Insel entspannten sich die Familienväter- und Mütter, während ihre Kinder kreischend über den Rasen tollten.

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Das Riesenrad eines Vergnügungsparkes hinter einem Hügel, die Atmosphäre mit einem zarten, gelblichen Hauch gefärbt – Sand vom Gelben Fluss in China, über den Ozean von unermüdlichen Winden getragen.

Wir setzten uns in Ryoheys fahrenden Backofen und fuhren zurück in die Stadt. Gestärkt durch eine Portion kari-udon (dicke Nudeln in einer japanischen Curry-Soße) gelangten wir zu unserer nächsten Station: „A very sprecial galery“, wie Jin nicht müde wurde zu betonen. Wir bogen in eine schmale unscheinbare Strasse ein, und ich war nicht wenig überrascht von dem Zugang zum Museum, das sich doch ein wenig von einem normalen Unterschied:

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Zwei Details:

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Also doch… Kunst!

Eine freundliche Angestellte (?) empfing uns und wies uns den Weg zu den 2 (!) Gallerieräumen. Diese waren jeweils ca. 15 qm „gross“, und beherbergten Fotos an den Wänden. So kleine Räume sind naturgemäß schwierig auf Fotos festzuhalten…

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Das Fenster rechts bzw. links zwischen den beiden Fotos ist das selbe…

Hier ein etwas grösseres Bild der Werke an sich. Die extrem hochkontrastigen und farbenfrohen Fotos (kriegt mein Apparat so nicht reproduziert) zeigen den Fuji, seit jeher Objekt künstlerischem Schaffens in Japan. Die Fotos sind, soweit ich es richtig verstanden habe, aus den gleichen Perspektiven aufgenommen wie die berühmten „36 Ansichten des Berges Fuji“ von Hokusai, die der berühmte japanische Künstler zwischen den Jahren 1830 und 1836 malte. Während diese Landschaftsbilder sind, zeigen die Fotos nur noch die Stadt – mit dem Berg im Hintergrund und dennoch über allem.

Auf der Internetseite der Galerie sind weitere Arbeiten anderer Künstler zu sehen. Nachdem wir beide Räume und die ausgestellten Werke ausgiebig betrachtet hatten, saßen wir noch etwas in dem Galerieeigenen Café, das mit uns dreien, zwei Künstlern und der Angestellten schon überfüllt war. „Small but great“ war mein Urteil, dass Zustimmung erhielt. Früher habe es noch ein paar mehr Ausstellungsräume gegeben, die jetzt geschlossen wurden. Ich fand es so aber schon gut, ein grossartiger Gegenentwurf zu gigantischen Museumsmonstern wie dem Louvre oder jene dich ich in Wien gesehen hatte, in denen man vor lauter Kunst bekloppt wird. Wenn es solche winzigen Galerien an allen Ecken und Enden gäbe, so dass man immer Gelegenheit für einen kleinen Kunst-Snack hätte, sich ein bisschen Austauschen könnte und selber günstig ausstellen… Wäre schon nett!

Als wir uns auf den Rückweg nach Nishiharu machten hatte die Rushhour schon begonnnen, so dass wir, stets gegrillt von einer erbarmungslosen Sonne in dem vom chinesischen Sand gelblichen Himmel, nur schleichend vorankamen. Autos Autos Autos Autos Autos Autos Autos. Und noch mehr. Autos Autos Sonne Autos Hitze Autos.

Die Mutter aller Kifferhöhlen

Endlich waren wir in Nishiharu, und fuhren zu Hiro, der ebenfalls als Student der Kunsthochschule Nagoya einige Projekte in Bremen gemacht hat. Hiro war gerade am Kochen, und wir setzten uns in das Wohnzimmer (ausser Küche und Bad das einzige Zimmer des Hauses). Laute Meditationsmusik aus Nepal und schwerer Räucherstäbchenduft hingen in der Luft, die Beleuchtung war schummrig, wir versanken in den Sesseln… und blieben Stocknüchtern. Es gibt kein Marihuana in Japan, so einfach ist das. Wer auch nur mit einem halben Gramm erwischt wird landet für bis zu 8 Jahren im Knast. Immerhin hatte ich etwas Becks mitgebracht, das mit lautem Hallo begrüßt wurde und an dem wir uns fortan labten. Ich erzählte, bezugnehmend auf die Galerie und die Fotos des Fuji, dass der höchste Berg in Bremen der Müllberg sei – und Hiro überrascht mich mit Fotos, auf denen er mit einer japanischen Flagge den bremischen Müllberg erklimmt, als Teil seiner Projekte in Bremen. Tss, Diese Künstler…

Hiro brachte die Früchte seiner Kochkunst auf den Tisch – in Japan gehört zum feiern und trinken die Nahrungsaufnahme ganz selbstverständlich dazu. Einige andere Studenten kamen später noch dazu, von denen einer (Nori) sehr begeistert von mir war: Er prostete mir etwa alle 5 Minuten zu und begrüßte mich dabei jedesmal mit lautem „welcome!!!“, fragte mich aus und redete auf mich ein. Er schaffte es sogar, dass ich meine bis dato nicht besonders gute Meinung über Sake überdachte, indem er mir wirklich guten und teuren Sake verabreichte. Kurz, wir amüsierten uns köstlich, die Zeit verging wie im Fluge. Garnicht so betrunken machte ich mich schliesslich irgendwann gegen Mitternacht auf den Weg nach Hause, wo ich mit dem Nudelholz in der Hand erwartet wurde 😉

Wieder hatte ich neue und interessante Aspekte des japanischen Lebens kennengelernt und viel Stoff für einen viel zu langen Blogeintrag 😀

edit: Zum zweiten mal schon die Vokabel des Tages vergessen! Trotzdem nur eine:

Kampai! = Prost!

🙂





Momotaro, der Junge der aus dem Pfirsich kam

28 05 2007

Meine Erlebnisse, besonders des vorgestrigen Tages, verdienen nähere Betrachtung, ich hoffe ich werde meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden, ohne zuviel Zeit mit schreiben zu verschwenden 🙂

Ein wiedersehen mit alten Freunden

Vorgestern hatte ich mich mit Jin und Ryohey verabredet. Jin war in seiner Funktion als Poet und Student der Kunsthochschule Nagoya in Bremen, dessen Kunsthochschule eine Partnerschaft mit der Nagoyas verbindet. Ryohey hat ein Austauschsemester in Deutschland verbracht, und ich habe oft mit ihm gelacht und gefeiert.

Wieder glühende Hitze, als ich beide am Bahnhof in Nishiharu traf. Ryohey war mit seinem Auto da, und wir machten uns auf den Weg nach Inuyama (frei übersetzt: Hundsberg). Wir fuhren etwa eine 3/4 Stunde auf endlos langen Strassen, täglich überrollt von niemals endenden Blechlawinen, von Stadt zu Stadt, ohne dass eine Grenze zwischen diesen zu erkennen wäre.

Unser erstes Ziel war ein Shinto-Schrein der besonderen Art: Hier wird Momotaro gehuldigt, dem „Pfirsichjungen“ (Momo = Pfirsich, Taro = ein weitverbreiteter Jungenname). Jedes Kind in Japan kennt seine Geschichte, die wirklich eine besondere ist:

Momotaro, der Junge, der aus einem Pfirsich geboren wurde

Vor langer, langer Zeit lebte irgendwo in Japan ein böser Oger namens Oni. Oni terrorisierte die Menschen, stahl Essen und Frauen, und war auch sonst sehr gemein.

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Oni, der alte Fiesling

Eines Tages entdeckte ein armes, kinderloses altes Bauernehepaar einen riesigen Pfirsich, der auf dem Fluss schwamm. Sie zogen ihn an Land, um ihn zu verspeisen, denn sie waren sehr hungrig, Oni hatte auch sie bestohlen. Doch wie erstaunt waren sie als sie den Pfirsich aufschneiden wollten – aus der Frucht sprang ein kleiner Junge! Sie tauften ihn Momotaro, und er wuchs schnell und wurde gross und stark.

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Als er schliesslich erwachsen war, beschloss er, sich Oni entgegenzustellen, denn er war mutig und stark. Doch die Bauern wollten sich ihm nicht anschliessen, zu gross war ihre Furcht vor dem Hass Onis. Also zog Momotaro alleine los. Im Wald traf er einen hungrigen Vogel, und gab ihm etwas von seinem Kuchen, den ihm die Eltern mitgegeben hatten. Der Vogel sprach: Du bist ein guter Mensch, dir werde ich folgen. Da trafen sie einen mageren Hund, der Momotaro aus traurigen Augen ansah. Auch ihm gab der gute Momotaro etwas von seinem Kuchen, und der Hund sprach: Du bist ein guter Mensch, dir will ich folgen. Da trafen sie einen hungrigen Affen, und ihm gab Momotaro sein letztes Stück Kuchen, woraufhin der Affe sprach: Du bist ein guter Mensch, dir will ich folgen.

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Das Team

So trafen die vier Gefährten auf Oni. Der brach in schallendes Gelächter aus, als der die bunte Truppe sah: „Ihr wollt euch mir entgegenstellen? Ich werde euch wie Fliegen zerquetschen!“ Doch Momotaro und seine Begleiter hatten keine Angst. Oni war sehr stark, aber die Jahre, in denen er von den Früchten seiner Bosheit gut gelebt hatte, hatten ihn fett und behäbig werden lassen. Die treuen Gefährten Momotaros waren gestärkt durch den Kuchen, und der Pfirsich, aus dem Momotaro schlüpfte, hatte ihm übernatürliche Kräfte gegeben. Nach einem langen Kampf sank Oni schließlich getroffen zu Boden. Er fing an bitterlich zu weinen, und versprach, nie wieder böse zu sein, und Momotaro verschonte ihn. Die Gefährten fanden das Versteck Onis, und sahen, dass er einen riesigen Schatz gehortet hatte. Sie brachten die geräuberten Reichtümer in das Heimatdorf Momotaros, und wurden mit grossem Jubel empfangen.

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Momotaro, Hund, Affe, Vogel, unbekannter Oger und Oni (v.l.n.r.)

So endet die Geschichte des Pfirsichjungen, und noch heute wird er geehrt. Es herrscht uneinigkeit darüber, in welchem Ort sich die Begenheiten abgespielt haben. Als Beitrag zu diesem Streit hat also Inuyama einen Schrein gebaut. Hier stehen die Zement(!)-Statuen, die ich als Illustration verwendet habe.

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Der Schrein wird von Eltern mit ihren Kindern besucht, aber auch von kinderlosen Eltern, die hier um ein Kind bitten. Im Schrein hängen hunderte von runden Karten, auf denen die Bitten der Schreinbesucher geschrieben sind. Ein besonders schönes Exemplar:

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I wish i will be able to come back when i want to, and get the job at Disneyland that i want. I also hope my camera will work and the pictures be saved.

Soviel erstmal zu Momotaro und seinem Schrein. Wenn ich Zeit finde kommt bald mehr!





Die Geschichte des Pfirsichjungen (!) und eine Gallerie der besonderen Art

27 05 2007

Wenn ich dazu komme heute abend noch etwas zu schreiben könnt ihr das und ein bisschen mehr bald hier bestaunen. Inklusive Fotos! Gleich geht es aber erstmal nach Osu, dem Anschein nach das Elektronik-Mekka in Nagoya und Umgebung. Davon wirds dann auch noch Berichte geben…





Japanisches Fernsehen: Wie deutsches, nur ganz anders…

25 05 2007

Sie hat die für mich unverständliche Angewohnheit, zum Frühstück ferzusehen. Ich muss mir also jeden morgen das Frühstücksfernsehen mit ihr angucken. Sie nennt das „Nachrichten“ – es wird aber nicht etwa über das Weltgeschehen berichtet, sondern über kurioses aus Japan, Klatsch und Tratsch, und die übelsten Morde, unterlegt mit dramatischer Musik und angereichtert mit Interviews weinender Angehöriger. Ein „Experte“ steht mit einem Zeigestab vor einer Karte des Tatorts und erklärt in allen Einzelheiten was passiert ist. Soviel zu den „Nachrichten“.

Abends gibt es Shows aller Art mit Publikum im Studio. Am meisten fasziert mich dabei die japanische Kultur der Ausrufe des Erstaunens:

  • „Eeeeeeeeh?“
  • „UOH!“
  • „EH?!“
  • „hahaaa….“

Das faszinierende dabei ist, dass das Studiopublikum diese Ausrufe exakt Synchron, wie aus einem Munde macht! Ein weiterer Ausdruck für das große Gefühl der Kollektivität in Japan. Es gibt ein japanisches Sprichwort – „Den herausstehenden Nagel schlage ein!“ das dieses Phänomen ziemlich gut beschreibt.

Aber zurück zum Fernsehen: Heute morgen lief „Pitagora Suicchi“, die mit Sicherheit beste Kinderserie der Welt. Auf Youtube gibt es eine Folge mit englischen Untertiteln:

Teil 1

Teil2

Dazu die Vokabel des Tages:

Sugoi! = Super!





Wenn Fertig-Nudeln zur Herausforderung werden…

24 05 2007

Normalerweise ist es doch so: Instantgerichte brauchen heißes Wasser und 3-5 Minuten.

Gestern habe ich eine Schüssel mit Instant-Udon (dicke japanische Nudeln) gekauft. Eben aufgemacht und gleich überfordert: 5 verschiedene Tütchen mit japanischen Schriftzeichen. In einem waren die Nudeln, in einem anderen eine Soße, in einem dritten eine Gewürzmischung, in einem vierten eine Art Gemüsekeks und im letzten noch mehr verschiedene Gemüsesachen. Die Schüssel in der alles drinnen war war auch seltsam. Beim abziehen der Verpackung kommt eine zweite Schicht Folie, metallisch und mit Löchern zum Vorschein. Nanu? Auf der Seite der Plastikschale die Aufklärung: Eine kleine Grafik zeigt an man solle das Wasser damit abgiessen. Aber wann? Und mit was darinnen?

Ich hab einfach mal alles reingekippt, Wasser dazu, 3 Minuten gewartet (keine Zeitangabe zu erkennen) und wie vorgeschlagen abgegossen. Der Gemüsekeks hat sich komplett in einen klumpigen Brei verwandelt, das sah auf der Packung anders aus. Das ganze schmeckt irgendwie Fad. Ich finde nirgends in der Wohnung Sojasoße. Ich muss irgendwas falsch gemacht haben.

So fremd muss man erstmal sein, dass man nichtmal Instantnudeln hinbekommt!