Shinto – der Weg der Götter

23 05 2007

Tja, jetzt ist Sie auf der Arbeit und ich bin ganz alleine hier. Gleich ist es Mittag, und die Sonne brennt sich erbarmungslos in den Asphalt. Die Luftfeuchtigkeit müsste so bei 200% liegen, alles schwimmt. In dieser Reiskocher-Atmosphäre will ich mal die ereignisreichen letzten beiden Tage revue passieren lassen.

Die erste Station unseres Wochenendtrips hiess Jinguu (eigentlich schreibt man das mit einem „u“ und einem Strich oben drauf, der einen langen Vokal anzeigt – ich weiss aber nicht wie man den hier macht.). Jinguu ist sozusagen das Mekka des Shinto, das größte Heiligtum, ein Schrein, der jedes Jahr von 6 Millionen Pilgern besucht wird.

Ich verstehe zu wenig von Shinto, dem „Weg der Götter“, um diese Religion hier ausufernd zu erklären. Vielleicht nur ein paar Stichpunkte:

  • Shinto ist neben dem Buddhismus die Hauptreligion in Japan, wobei sich beide nicht gegenseitig widersprechen.
  • Im Shinto werden kami verehrt, das sind sowas wie Götter… Allerdings auch Tiere, Bäume, Berge, Seelen, Menschen, Feuer, Regen – „alles, was Ehrfurcht auslöst“.
  • Laut Shinto ist der Tenoo, der japanische Kaiser, ein direkter Nachfahre der alten Götter. Wer wohl auf die Idee gekommen ist?

Nun, in dem Schrein den wir besucht haben „wohnt“ niemand geringeres als Amaterasu Omikami. Sie (in der Tat, eine Göttin) ist die „höchste Instanz“ der kami, und repräsentiert die Sonne. Sie und ihre Freundin Shigeru haben mir erzählt, sie habe auch Japan geboren, allerdings hat meine Recherche anderes ergeben. Jedenfalls ist sie eine Frau, und weil sie alleine ist sieht sie Paare nicht gerne… Böses Omen!

Der Schrein ist eine grosse Parkanlage, in der riesige Bäume die Kieswege säumen, die wiederrum von Pilgerscharen bedeckt sind (also die Wege, nicht die Bäume… Blöde blumige Sprache bei der Hitze).

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Eine Pilgergruppe mit gelben Mützen – vornehmlich Kinder 

Am „Parkeingang“ steht eine Art Brunnen, an dem man sich mit einer besonderen Kelle rituell die Hände wäscht. Als nächstes kauft man eine Art Glücksbringer, aus Stoff gefaltete… Dinger. Diese schenkt man den Verwandten, um Unglück von ihnen abzuhalten. Obwohl Sie kein Stück abergläubisch ist hat auch sie Geld dagelassen. Ich glaube den meisten Menschen geht es ungefähr so: Niemand glaubt wirklich wörtlich an die alten Geschichten oder daran dass der Kaiser ein Nachkomme der kami ist, aber die shintoistischen Rituale und Bräuche sind so tief in der Gesellschaft verwurzelt dass sie befolgt werden. Eigentlich ist es mit dem Christentum genauso, oder?

Als nächstes liefen wir zur „Hauptattraktion“ – der Stelle an der  Amaterasu Omikami wohnt. Eine grosse Treppe grenzt das Heiligtum vom Rest der Anlagen ab. Oberhalb der Treppe darf nicht mehr fotografiert werden.

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Hier wohntse

Ich liess mir genau erklären wie man eineN Shinto-GöttIn begrüßt: Wenn man vor dem Eingang zum Heiligtum steht (man kommt nicht hinein), klatscht man zweimal in die Hände, verbeugt sich zweimal und klatscht noch einmal. Danach wirft man Geld in eine Art Trog, vor dem man steht. Dieser Trog war gut gefüllt, meist mit 10 Yen Stücken (ca 8 cent), einige hatten auch mehr hineingeworfen, und es gab sogar 1000 Yen Scheine. Es war offensichtlich dass der Trog mindestens täglich geleert wird, da kommt dann wohl einiges an Geld zusammen… Jaja, so isset mit die Relijohn!

Es war wirklich sehr heiss, und wir hatten Hunger. Also verliessen wir die Pilgerstätte und suchten eine traditionell aussehende Meile auf (ähnlich dem Schnoorviertel in Bremen, nur breiter und japanisch). Hier reihten sich die Fress-, Souvenier-, Zeug- und Schnick-Schnackgeschäfter nur so aneinander. Die Auswahl war enorm. Als erstes entschieden wir uns für udon – ein grossartiges japanisches Nudelgericht. Desweiteren kaufte Sie sich gebratene Kuhzunge – nicht besonders ansprechend für mich. Zu zäh. Es gab ausserdem 50.000 verschiedene Fischsorten, grünen Tee, Moji (?), Süßigkeiten und vieles mehr. 90% oder eher mehr waren mir gänzlich unbekannt, aber durchaus lecker. Ein Beispiel (ich hab mich nicht getraut):

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Gebratener Mini-Oktopus

Satt und zufrieden verabschiedeten wir Shigeru, und machten uns auf den Weg zu unserer nächsten Station, von der ich aber morgen berichte. Jetzt hole ich Sie von der Arbeit ab.

Vokabel des Tages:

Atsui=heiß!

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2 responses

23 05 2007
Jan

Die Hüte sind sehr drollig irgendwie. Un diesen Oktopus da, hätte ich nicht gegessen. Aber nungut, dir viel Spaß noch und nen schönen Gruß an Yuko. 🙂

23 05 2007
soviet1917

Schönen Gruß zurück sagt sie grade 😉
alter allesfresser 😀

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