Die unglaubliche Kunst japanischer Entspannung

24 05 2007

Ein neuer Tag in Japan. Der Jetlag hat diesmal einen seltsamen Effekt auf mich: Während ich beim letzten Mal noch immer sehr lange geschlafen habe und somit um etwa 6h europäischer Zeit aufgestanden bin, werde ich dieses mal schon am frühen Abend, so gegen 9 oder 10 SO müde, dass ich wie ein Stein einschlafe sobald ich mich ins Bett lege. Dafür kann ich morgens gut aufstehen (ICH! MORGENS!), und verwöhne Sie mit einem Frühstück aus frischem Milchkaffee, French Toast und Orangensaft, bevor ich sie zur Arbeit verabschiede.

Es ist immer noch sehr heiss hier. Die Temperaturen liegen bis zu 10 Grad (wo auf dieser Tastatur ist der kringel?) über der Durchschnittstemperatur dieser Jahreszeit in den letzten Jahren. Nicht umsonst war meine Vokabel des gestrigen Tages „atsui„! Was eine gute Überleitung zu der versprochenen Fortsetzung meiner Geschichte ist! 😉

Wir stiegen in den Zug ein, der uns nach einigen Haltestellen nach Ise brachte. Hier erwartete uns schon ein kleiner Shuttle-Bus, der uns vom Bahnhof zu „unserem“ Hotel fuhr. Wir fuhren etwa eine halbe Stunde auf einer kleinen, kurvigen Straße, die sich wie ein Bindfaden an der felsigen Küste entlangschlängelte. Ein ganz anderes Japan eröffnete sich meinen Augen: Nicht mehr die hektische Großstadt Nagoya, sondern wunderschön blaues Meer, Felsen, Bäume – kurz: NATUR! Ich habe irgendwo mal gelesen dass 90% Japans mit Wald bedeckt ist. Bisher hatte ich das für ein Gerücht gehalten, doch hier wurde mir klar, wie wenig repräsentativ mein Blick auf dieses Land bisher war.

Einziger Wermutstropfen: Es war sehr heiß, wir waren sehr müde vom frühen Aufstehen, vielen Zugfahren, durch die Schreinanlagen spazieren und essen, die Straße war zwischendurch doch wirklich sehr schlängelig, der Fahrer offensichtlich sehr erfahren auf dieser Strecke und dementsprechend unsensibel und zu schlechter letzt saß hinter uns ein älterer, etwas schmieriger mit-Hotel-Gast der ununterbrochen äusserst unappetitliche Schlürf- und Schmatz-Geräusche von sich gab. Leider war der Minibus sehr modern, so dass kein Motorengeräusch seine Laute überdecken konnten. Diese Collage von ungünstigen Aspekten lösten in Ihr Übelkeit aus, die sie aber zum Glück bis zum Hotel unter Kontrolle halten konnte, wo ihr gleich ein Glas Wasser angeboten wurde.

Das Hotel lag etwa 10 Fussminuten oberhalb eines verschlafenen Fischerdorfes, umringt von Wald und steilen Hängen. Mit ungefähr 40 Zimmern eher klein, hinterliess das große Foyer mit Panoramafenster, die stylische Ausstattung und das – wie immer in Japan – extrem freundliche und zuvorkommde Personal, einen luxuriösen Eindruck.

Die Zimmer waren klassisch Japanisch eingerichtet. Tatami (Reismatten), Schiebetüren aus dunklem Holz und Papier, ein niedriger Tisch und Futonmatten, auf denen wir es uns gemütlich machten – und sofort einschliefen. Doch schon bald klingelte das Telefon – unser Essen war fertig und wurde uns hineingebracht. Noch halb verschlafen konnte ich meinen Augen nicht trauen: Die Hotelangestellte brachte mehr und mehr köstlichkeiten, bis der Tisch komplett bedeckt war. Dieses Foto habe ich leider noch zu früh gemacht, es wurde noch mehr!

img_0368-01.jpg

Eine kurze Auflistung der verschiedenen Speisen, dem Gedächtnis nach und ohne Gewähr für die richtige Schreibweise:

  • Sushi mit Awabi, Ise-ebi, und Matsusaka-gyu (Meeresschnecke, Hummer aus Ise und einem besonderen Rindfleisch)
  • Tempura (verschiedene frittierte Fisch- und Gemüsearten)
  • Sashimi (die grosse Platte im Vordergrund des Fotos) mit Hummer, Lachs, Buri (Makrelenart), Iku (Kalmar), Tai (?), Uni (Seeigel), Sasai (?), Shrimp
  • Sukiyaki (?)
  • Taki Komi Gohan (ein besonders zubereiteter, mit Gemüse gekochter roter Reis)
  • Chawam Mushi (?)
  • grüner Tofu
  • Tsukemono (eingelegtes Gemüse)
  • Osimono (?)

Ich weiss, ich bin gemein 🙂

Wir haben natürlich nicht alles geschafft, was wirklich sehr schade war… UNGLAUBLICH LECKER!

Draussen wurde es dunkel, und der nächste Höhepunkt stand an: Uns wurde mitgeteilt dass unser persönlicher Onsen vorbereitet ist!

Onsen sind Bäder die aus heissen Quellen gespeist werden. Normalerweise öffentlich, gab es in dem Hotel ein überdachtes, aber trotzdem draussen gelegenes Separee (keine Accents hier auf der Tastatur!), in dem man zu zweit das heisse Bad geniessen kann, ohne auf die sonst übliche Etikette (keine Tätowierungen, Geschlechtertrennung) Rücksicht nehmen zu müssen. Die kühle Abendluft und das heiße Wasser, die Stille und die Schwerelosigkeit vermengten sich mit der Sattheit zu unendlicher Zufriedenheit. Nichtmal die handtellergroße Spinne über der Dusche, die uns die ganze Zeit aus ihren hundert Augen beobachtete, konnte mich nachhaltig beeindrucken.

Hach war das schön! 🙂

Später schliefen wir tief und fest, wurden von einem Frühstück geweckt, das sich von der Qualität nicht hinter dem Abendessen zu verstecken brauchte (zum Glück wars nicht soviel), durften einen weiteren Onsen-Gang geniessen und wanderten hinab zum Meer. Hmmm, das Meer! Die salzige Luft! Der kühle Wind! Das Rauschen der Brandung an den Felsen! Ich habe ein kleines Video aufgenommen und bei Youtube hochgeladen:

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eigentlich wollte ich es noch ein wenig zurechtschneiden, komme aber mit den japanischen Programmen auf Ihrem Laptop nicht wirklich zurecht…

Nun, das Ende der Geschichte: Wir fuhren wieder nach Hause und waren sehr glücklich und zufrieden. Und wenn sie nicht gestorben sind leben sie noch heute 😉

Vokabel des Tages!

Itadaki-masu! = Eine Dankesformel fürs Essen, enstpricht „Guten Appetit!“

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5 responses

24 05 2007
bernd

auch hier vermengt sich die abwesenheit unseres chefs, das dröhnen der absauganlage vorm büro, der schwarzsche Infarktkaffee und die allmittagliche essensproblematik zu einem zustand unendlicher zufriedenheit. paaah. glaub bloß nicht ich wäre neidisch.

die deutschvokabel des tages: Fernweh! Was heißt das auf japanisch?

p.s. beim zwoken siehst du alt aus. 😉

24 05 2007
soviet1917

hehe, wende dich mal wieder den virtuellen 3d-welten zu. du hast doch bestimmt suppe und toastbrot zum mittag gegessen oder? 😀
wie du im beitrag weiter oben siehst gibt es aber auch hier eine mittagliche essensproblematik. zum glück aber keinen kaffee, nur grünen tee, der für mich auch mittlerweile nicht mehr so schlimm nach altem brot schmeckt. soll ich dir welchen mitbringen? 😉

25 05 2007
Uli

Cooles Hotel – „far out“ – war so eine finde ich treffende Woodstock-Vokabel ;-)))

25 05 2007
viv

ooooohhhh! Meeeeeeeer! Echtes Meeeeeeer, keine lahme Nordsee…. *auchhabenwill*

Ihr habts echt gut!

Onsen klingt auch nach einer sehr guten Idee… *hach…..

25 05 2007
grga

vokabel des tages: „URAYAMASHII“ = neid / haette ich auch gerne / gemeinheit

wie gehts dir + yuko? wo arbeitet sie denn jetzt? aah, onsen, tatami.. ich hab lustigerweise ein foto mit genau dem gleichen stueck fluss aus dem gleichen winkel im gleichen park in ise :)) muss ich mal rauskramen. die baeume im park sind super, oder?
jep, wenn man die ganze zeit in nishiharu rumhaengt kann man leicht einen verzerrten eindruck bekommen. reisfelder, beton, zivilisationsmuell und kaum baeume.. immer schoen rausfahren!!

glaube nicht dass du reisetipps brauchst, aber trotzdem (aufdraeng):

INUYAMA-JOU (eins der 3 (?) letzten original erhaeltenen schloesser japans) (einfach zur endhaltestelle durchfahren, ca. 40 min) die stadt inuyama ist auch nett.

GERO ONSEN (onsen-stadt in gifu. gibt ein oeffentliches onsen-becken im flussufer unter einer bruecke. einfach so im freien und nicht geschlechtergetrennt (!), deshalb geht man eher im dunkeln hin.

SHIRAHAMA ONSEN (bisschen weit weg, in wakayama. onsen am strand, man sitzt im heissen wasser und es schwappen wellen rein. grossartig. gibt auch tolle sandsteinklippen in der gegend)

naja, alles wo berge, TAKI (wasserfall) und onsen draufsteht is ok 🙂 in GIFU gibt es schoene berge, auch fluesse wo man schwimmen kann. hat yuko ein auto?

dann das wichtigste: SEIHIRO-ONSEN (das SENTO in nishiharu): das beruehmte yakuza-bad. warst du schon drin? wenn yuko keine lust hat einfach alleine hingehen 🙂

so, viel spass!! freu mich ueber mehr berichte!
g auf der nervigen jobsuche.

p.s: aus einer ausschreibung von freenet:

„Im Erotikbereich sorgen Sie durch hohen Unterhaltungswert (Bild- und
Textbearbeitung) für eine stetig wachsende Basis an Unique Usern mit
steigender Site Stickiness und legen dabei immer auf größtmögliche
Usability wert“

genial.

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