Momotaro, der Junge der aus dem Pfirsich kam

28 05 2007

Meine Erlebnisse, besonders des vorgestrigen Tages, verdienen nähere Betrachtung, ich hoffe ich werde meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden, ohne zuviel Zeit mit schreiben zu verschwenden 🙂

Ein wiedersehen mit alten Freunden

Vorgestern hatte ich mich mit Jin und Ryohey verabredet. Jin war in seiner Funktion als Poet und Student der Kunsthochschule Nagoya in Bremen, dessen Kunsthochschule eine Partnerschaft mit der Nagoyas verbindet. Ryohey hat ein Austauschsemester in Deutschland verbracht, und ich habe oft mit ihm gelacht und gefeiert.

Wieder glühende Hitze, als ich beide am Bahnhof in Nishiharu traf. Ryohey war mit seinem Auto da, und wir machten uns auf den Weg nach Inuyama (frei übersetzt: Hundsberg). Wir fuhren etwa eine 3/4 Stunde auf endlos langen Strassen, täglich überrollt von niemals endenden Blechlawinen, von Stadt zu Stadt, ohne dass eine Grenze zwischen diesen zu erkennen wäre.

Unser erstes Ziel war ein Shinto-Schrein der besonderen Art: Hier wird Momotaro gehuldigt, dem „Pfirsichjungen“ (Momo = Pfirsich, Taro = ein weitverbreiteter Jungenname). Jedes Kind in Japan kennt seine Geschichte, die wirklich eine besondere ist:

Momotaro, der Junge, der aus einem Pfirsich geboren wurde

Vor langer, langer Zeit lebte irgendwo in Japan ein böser Oger namens Oni. Oni terrorisierte die Menschen, stahl Essen und Frauen, und war auch sonst sehr gemein.

oni

Oni, der alte Fiesling

Eines Tages entdeckte ein armes, kinderloses altes Bauernehepaar einen riesigen Pfirsich, der auf dem Fluss schwamm. Sie zogen ihn an Land, um ihn zu verspeisen, denn sie waren sehr hungrig, Oni hatte auch sie bestohlen. Doch wie erstaunt waren sie als sie den Pfirsich aufschneiden wollten – aus der Frucht sprang ein kleiner Junge! Sie tauften ihn Momotaro, und er wuchs schnell und wurde gross und stark.

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Als er schliesslich erwachsen war, beschloss er, sich Oni entgegenzustellen, denn er war mutig und stark. Doch die Bauern wollten sich ihm nicht anschliessen, zu gross war ihre Furcht vor dem Hass Onis. Also zog Momotaro alleine los. Im Wald traf er einen hungrigen Vogel, und gab ihm etwas von seinem Kuchen, den ihm die Eltern mitgegeben hatten. Der Vogel sprach: Du bist ein guter Mensch, dir werde ich folgen. Da trafen sie einen mageren Hund, der Momotaro aus traurigen Augen ansah. Auch ihm gab der gute Momotaro etwas von seinem Kuchen, und der Hund sprach: Du bist ein guter Mensch, dir will ich folgen. Da trafen sie einen hungrigen Affen, und ihm gab Momotaro sein letztes Stück Kuchen, woraufhin der Affe sprach: Du bist ein guter Mensch, dir will ich folgen.

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Das Team

So trafen die vier Gefährten auf Oni. Der brach in schallendes Gelächter aus, als der die bunte Truppe sah: „Ihr wollt euch mir entgegenstellen? Ich werde euch wie Fliegen zerquetschen!“ Doch Momotaro und seine Begleiter hatten keine Angst. Oni war sehr stark, aber die Jahre, in denen er von den Früchten seiner Bosheit gut gelebt hatte, hatten ihn fett und behäbig werden lassen. Die treuen Gefährten Momotaros waren gestärkt durch den Kuchen, und der Pfirsich, aus dem Momotaro schlüpfte, hatte ihm übernatürliche Kräfte gegeben. Nach einem langen Kampf sank Oni schließlich getroffen zu Boden. Er fing an bitterlich zu weinen, und versprach, nie wieder böse zu sein, und Momotaro verschonte ihn. Die Gefährten fanden das Versteck Onis, und sahen, dass er einen riesigen Schatz gehortet hatte. Sie brachten die geräuberten Reichtümer in das Heimatdorf Momotaros, und wurden mit grossem Jubel empfangen.

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Momotaro, Hund, Affe, Vogel, unbekannter Oger und Oni (v.l.n.r.)

So endet die Geschichte des Pfirsichjungen, und noch heute wird er geehrt. Es herrscht uneinigkeit darüber, in welchem Ort sich die Begenheiten abgespielt haben. Als Beitrag zu diesem Streit hat also Inuyama einen Schrein gebaut. Hier stehen die Zement(!)-Statuen, die ich als Illustration verwendet habe.

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Der Schrein wird von Eltern mit ihren Kindern besucht, aber auch von kinderlosen Eltern, die hier um ein Kind bitten. Im Schrein hängen hunderte von runden Karten, auf denen die Bitten der Schreinbesucher geschrieben sind. Ein besonders schönes Exemplar:

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I wish i will be able to come back when i want to, and get the job at Disneyland that i want. I also hope my camera will work and the pictures be saved.

Soviel erstmal zu Momotaro und seinem Schrein. Wenn ich Zeit finde kommt bald mehr!

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6 responses

28 05 2007
Sven

Habt ihr auch eine Karte hinterlassen?

28 05 2007
soviet1917

war mir zu religiös – oder ich war wunschlos glücklich – oder ich hab mich nich getraut – oder es einfach vergessen… such dir was aus 🙂

28 05 2007
marion

Stimmt`s Du hast der Mami beim Geschichten- und Märchenerzählen immer aufmerksam zugehört? Sehr interessant gestaltest Du Deine Geschichten und Erlebnisse. Liebe Grüsse aus dem sommerlichen Salzburg. Waren zwei Tage am Bodensee und waren auf dem Pfänderberg, der eine ausgesprochen schöne Almlandschaft zu bieten hat und einen sensationellen Blick auf das Panorama des Bodensees bis zur Schweiz hinüber. Bis bald, Grüsse von Reinhard, Giacomo, Gina, Herbstwind, Rossini und von mir. M

30 05 2007
Rainhard

Schicke Geschichte!

7 06 2007
ryohei

hallo,sebastian!
ich hab schon ein ausstellung fertig gemacht. das war sehr schwer. ich bin immer noch muede…..

so,ich will dich mein webpage sagen:
http://www7a.biglobe.ne.jp/~ryop_ryop/
kuck mal,bitte.

bis dann

2 06 2009
2009: Odyssee in Nagoya « DER REISEBLOG!

[…] von Nagoya), dass die ersten Ausläufe der Natur sichtbar wurden: Der Inuyama, schon früher einmal Ziel eines Ausfluges (damals allerdings per Auto), schien nah genug, um ihn mal zu […]

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