Ausflug nach Inuyama – Teil II: DAS Museum für Zeitgenössische Kunst

29 05 2007

Der Momotaro-Schrein und seine besondere, etwas morbide Stimmung – die alten Zement-Figuren die eine so seltsame Geschichte erzählten, die angerosteten bunten und quietschenden Schaukeln – hatten einen interessanten Eindruck auf mich hinterlassen. Wir liefen noch etwas an dem Fluss entlang, der damals angeblich den berühmten Pfirsich trug. In dieser grünen Insel entspannten sich die Familienväter- und Mütter, während ihre Kinder kreischend über den Rasen tollten.

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Das Riesenrad eines Vergnügungsparkes hinter einem Hügel, die Atmosphäre mit einem zarten, gelblichen Hauch gefärbt – Sand vom Gelben Fluss in China, über den Ozean von unermüdlichen Winden getragen.

Wir setzten uns in Ryoheys fahrenden Backofen und fuhren zurück in die Stadt. Gestärkt durch eine Portion kari-udon (dicke Nudeln in einer japanischen Curry-Soße) gelangten wir zu unserer nächsten Station: „A very sprecial galery“, wie Jin nicht müde wurde zu betonen. Wir bogen in eine schmale unscheinbare Strasse ein, und ich war nicht wenig überrascht von dem Zugang zum Museum, das sich doch ein wenig von einem normalen Unterschied:

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Zwei Details:

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Also doch… Kunst!

Eine freundliche Angestellte (?) empfing uns und wies uns den Weg zu den 2 (!) Gallerieräumen. Diese waren jeweils ca. 15 qm „gross“, und beherbergten Fotos an den Wänden. So kleine Räume sind naturgemäß schwierig auf Fotos festzuhalten…

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Das Fenster rechts bzw. links zwischen den beiden Fotos ist das selbe…

Hier ein etwas grösseres Bild der Werke an sich. Die extrem hochkontrastigen und farbenfrohen Fotos (kriegt mein Apparat so nicht reproduziert) zeigen den Fuji, seit jeher Objekt künstlerischem Schaffens in Japan. Die Fotos sind, soweit ich es richtig verstanden habe, aus den gleichen Perspektiven aufgenommen wie die berühmten „36 Ansichten des Berges Fuji“ von Hokusai, die der berühmte japanische Künstler zwischen den Jahren 1830 und 1836 malte. Während diese Landschaftsbilder sind, zeigen die Fotos nur noch die Stadt – mit dem Berg im Hintergrund und dennoch über allem.

Auf der Internetseite der Galerie sind weitere Arbeiten anderer Künstler zu sehen. Nachdem wir beide Räume und die ausgestellten Werke ausgiebig betrachtet hatten, saßen wir noch etwas in dem Galerieeigenen Café, das mit uns dreien, zwei Künstlern und der Angestellten schon überfüllt war. „Small but great“ war mein Urteil, dass Zustimmung erhielt. Früher habe es noch ein paar mehr Ausstellungsräume gegeben, die jetzt geschlossen wurden. Ich fand es so aber schon gut, ein grossartiger Gegenentwurf zu gigantischen Museumsmonstern wie dem Louvre oder jene dich ich in Wien gesehen hatte, in denen man vor lauter Kunst bekloppt wird. Wenn es solche winzigen Galerien an allen Ecken und Enden gäbe, so dass man immer Gelegenheit für einen kleinen Kunst-Snack hätte, sich ein bisschen Austauschen könnte und selber günstig ausstellen… Wäre schon nett!

Als wir uns auf den Rückweg nach Nishiharu machten hatte die Rushhour schon begonnnen, so dass wir, stets gegrillt von einer erbarmungslosen Sonne in dem vom chinesischen Sand gelblichen Himmel, nur schleichend vorankamen. Autos Autos Autos Autos Autos Autos Autos. Und noch mehr. Autos Autos Sonne Autos Hitze Autos.

Die Mutter aller Kifferhöhlen

Endlich waren wir in Nishiharu, und fuhren zu Hiro, der ebenfalls als Student der Kunsthochschule Nagoya einige Projekte in Bremen gemacht hat. Hiro war gerade am Kochen, und wir setzten uns in das Wohnzimmer (ausser Küche und Bad das einzige Zimmer des Hauses). Laute Meditationsmusik aus Nepal und schwerer Räucherstäbchenduft hingen in der Luft, die Beleuchtung war schummrig, wir versanken in den Sesseln… und blieben Stocknüchtern. Es gibt kein Marihuana in Japan, so einfach ist das. Wer auch nur mit einem halben Gramm erwischt wird landet für bis zu 8 Jahren im Knast. Immerhin hatte ich etwas Becks mitgebracht, das mit lautem Hallo begrüßt wurde und an dem wir uns fortan labten. Ich erzählte, bezugnehmend auf die Galerie und die Fotos des Fuji, dass der höchste Berg in Bremen der Müllberg sei – und Hiro überrascht mich mit Fotos, auf denen er mit einer japanischen Flagge den bremischen Müllberg erklimmt, als Teil seiner Projekte in Bremen. Tss, Diese Künstler…

Hiro brachte die Früchte seiner Kochkunst auf den Tisch – in Japan gehört zum feiern und trinken die Nahrungsaufnahme ganz selbstverständlich dazu. Einige andere Studenten kamen später noch dazu, von denen einer (Nori) sehr begeistert von mir war: Er prostete mir etwa alle 5 Minuten zu und begrüßte mich dabei jedesmal mit lautem „welcome!!!“, fragte mich aus und redete auf mich ein. Er schaffte es sogar, dass ich meine bis dato nicht besonders gute Meinung über Sake überdachte, indem er mir wirklich guten und teuren Sake verabreichte. Kurz, wir amüsierten uns köstlich, die Zeit verging wie im Fluge. Garnicht so betrunken machte ich mich schliesslich irgendwann gegen Mitternacht auf den Weg nach Hause, wo ich mit dem Nudelholz in der Hand erwartet wurde 😉

Wieder hatte ich neue und interessante Aspekte des japanischen Lebens kennengelernt und viel Stoff für einen viel zu langen Blogeintrag 😀

edit: Zum zweiten mal schon die Vokabel des Tages vergessen! Trotzdem nur eine:

Kampai! = Prost!

🙂

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8 responses

29 05 2007
marion

Nachdem ich ja gestern mich gleich zweimal mit gleichem Text -ohne es gewollt zu haben- verewigt hatte, heute nur den einen Versuch: Deine Toleranz und Offenheit, die Dinge so zu nehmen wie sie sind, beeindruckt mich am meisten. Und immer findest Du positive Aspekte. Heute Grüsse aus dem verregneten Sbg. M

29 05 2007
bernd

toleranz und offenheit? ha. wer sebastian kennt, weiß, daß das nur ein scherz sein kann. 😉

damit Du auch im erzkapitalistischen nippon ein wenig den klängen der wehenden roten fahnen lauschen kannst: hör dies:

http://www.kcckp.net/de/art/music/playlist.php

29 05 2007
bernd

besonders empfohlen sei da natürlich das „lied des antijapanischen krieges“. am besten in yukos wohnung bis zum anschlag aufdrehen wenn sie gerade nicht zuhause ist. 😉 und schon mal ne neue wohnung suchen.

29 05 2007
soviet1917

@marion: …ist ja gut! übertreibs mal nich… 🙂
@bernd: hehe, ich glaub meine mutter kennt mich einigermassen 😀
wo hast du denn die krasse seite aufgetrieben! is das keine satire? oh mann… ausserdem… WARUM ARBEITEST DU NICHT! 😀

29 05 2007
bernd

a) dann nehme ich natürlich alles zurück.
b) mir dünkt sie echt. viel zu viel arbeit für satire, oder? aber wer weiß.
c) ich schieb alle arbeitspakete immer schön auf deine todo liste. mach dich schon mal bereit. 😉

29 05 2007
bernd

kurze recherche hat ergeben: ist satire! Aber gut. 😉

29 05 2007
bernd

längere recherche hat ergeben: ist doch keine satire, ist echt!!! 😉

nachzulesen hier:

http://www.kcc-europe.de/0.15.0.0.1.0.phtml

30 05 2007
Rainhard

Mit den Autos, das muss wirklich grausam sein aber sonst scheinst Du ja alles zu haben was Du brauchst. Wein, Weib, Gesang…

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