In Bremen

4 06 2007

Irgendwas stimmt hier nicht… Die Uhr behauptet felsenfest es sei 19:30 – dabei ist es doch ganz klar 02:30 nachts! Was soll das!

Kai sagt, hier sei nichts passiert. In der Tat: Das Licht in der Küche is immer noch kaputt. Mein Zimmer is auch noch nich aufgeräumt. Und das Wetter is so wie als ich losgeflogen bin: Grau. Das einzige was anders is als sonst: Ich denke grade nur in Zeitlupe und ich habe einen Koffer in meinem Zimmer stehen, der randvoll mit japanischem Instantfood is – also, wer Lust hat auf „japanisch“ essen, nur fragen 😉

Die letzten Tage in Japan, besonders in Kanazawa, waren noch einmal ein letzter Höhepunkt meiner viel zu kurzen Reise. Der herzliche Empfang nach langer Zeit liessen in mir sogar eine Art „Zuhause-Gefühl“ entstehen. Wir tauschten Geschenke aus (Omeyage) und aßen irgendetwas leckeres, mir fällt gerade nicht mehr ein was, und gingen früh schlafen, die längere Zugfahrt durch das japanische „Festland“ hatte uns erschöpft.

Am nächsten Tag besuchten wir ein sehr international besetztes Schiff mit einem Buchmarkt darauf (für mich gabs Edgar Allan Poe – The Raven and other Poems), das im Hafen von Kanazawa lag. Als nächstes ging es in ein Kleidergeschäft, in dem ich ein traditionelles, leichtes… Dings bekam, sehr schick wie ich finde – wahrscheinlich aber doch zu luftig, um im Alltag verwendung zu finden.

Es dämmerte bereits, als wir zu einem besonderen Fest gingen: Dem Lichtertreiben. So habe ich mir zumindest nach Yukos beschreibung die Übersetzung zusammengereimt. Dabei werden hunderte, wenn nicht sogar tausende von Papierlampen auf den Fluss gelegt, der sie flussabwärts treibt. Ursprünglich wurden so die Seelen ins Jenseits verabschiedet. Scheinbar ganz Kanazawa stand am Flussufer – und auch wenn Kanazawa nach japanischen Maßstäben eine Kleinstadt ist, ist sie doch ungefähr so gross wie Bremen!

Das herabgleiten des Himmels in die Dämmerung, die kunstvoll bemalten Lampen die auf dem Wasser tanzten und sich spiegelten und die traditionelle japanische Musik, von Gesang bis Trommeln. Bei dem folgenden Videobeispiel muss ich mich ausdrücklich für die schlechte Qualität entschuldigen, ich musste 14x (!) digitalzoomen um die Trommler halbwegs im Bild zu haben:

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Ein paar Spielereien mit Langzeitbelichtung (das Wasser war nicht wirklich so ruhig:

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absichtlich (!) ein bisschen verwackelt

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Einsammeln der Lampen am Ende

Nach diesen wunderschönen Eindrücken fehlte nur noch das Essen. Und es kam…. Hmmmm! Yakiniku! Dabei sitzt die Familie (ich fühlte mich schon dazugehörig) um einen Tisch, in dessen Mitte ein feines Gitter die Kochstelle überdeckt, in dem die Flamme brennt. Von den unzähligen Fleischen (das man sowas mal benutzt… Fleischen!) auf unzähligen Tellern nimmt jeder was er will, grillt es und tunkt es nach gutdünken in Sojasoße. Dazu gibt es biiru, ein nicht ganz so traditionelles japanisches Getränk. Grossartig!

Satt kamen wir zuhause an. Es war Zeit für die grosse Überraschung: Otosan bekam endlich sein Geburtstagsgeschenk – ein Nintendo Wii! Ein so unglaubliches Spielzeug kann nur aus Japan kommen. Eine Spielekonsole, in dem die Spiele (fast) nicht mit Knöpfen und Hebeln bedient werden, sondern damit, den Controller herumzuwirbeln. Beim Tennisspiel bewegt man den Controller also wie einen Tennisschläger, man schwingt ihn beim golfen wie einen Golfschläger oder boxt – wie man eben boxt, nur mit Controllern in der Hand. Das ganze macht nicht nur furchtbaren Spass, es ist sogar körperlich anstrengend! SPORT UND COMPUTERSPIELE ZUSAMMEN! Japan, wir lieben dich!

Bis spät in die Nacht haben wir so die Zeit verbracht. Mein letzter Stand ist, dass Yukos Vater gleich am nächsten Tag ein neues Spiel gekauft hat (BIOHAZARD) und bis früh morgens den Controller geschwungen hat. Ich beneide ihn ja…

Am nächsten Tag ging es zurück nach Nagoya. Der letzte Tag. Einkaufen. Essen. Etwas Trinken. Noch zusammen lachen. Schlafen. Aufstehen. Zum Flughafen. Sich auf dem weg noch streiten, weil man den ersten Zug verpasst hat (ich war schuld), weil dann der Abschied leichter fällt. Sich natürlich trotzdem wieder vertragen, weil, wie ich es von anfang an gesagt hatte, noch genug Zeit war. Sogar noch einen Tee bestellt, den die Bedienung auf wunderhafte Weise in Kaffee verwandelt hat. Check-In. Winken. Abflug.

Ich war nicht so furchtbar traurig wie beim letzten Mal. Yuko auch nicht, hat sie eben am Telefon gesagt. Ich freue mich aber nicht gerade auf meine erste Nacht seit zwei Wochen alleine… Aber wie beim letzten Mal blicke ich zurück auf eine saugeile Zeit, freue mich schon auf das nächste wiedersehen, und bin sogar ein bisschen froh wieder im beschaulichen Bremen zu sein.

Nochmal Danke an alle Leser, Kommentarschreiber, Emailschreiber! Das Internet ist grossartig, ohne euch wäre es aber nur halb so schön! 🙂

Sebastian

ps
Statt Vokabel des Tages:

Der erste deutsche Satz den ich gehört habe (nach einer Durchsage im Flughafen Charles-de-Gaulles über das Gepäck):
„Wie, watt is mit die Baggasche?“

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Die letzten Stunden…

2 06 2007

…keine Zeit mehr zu schreiben…

Über das Lichtertreiben, Yakiniku (japanisch Grillen) und das Geburtstagsgeschenk (Nintendo Wii) und sonstiges dann wenn ich wieder in Bremen bin.

Schonmal Danke fürs lesen von weit weg. Abschliessende Worte aber morgen abend oder so.

Schönes Wochenende noch!

Sebastian