zuhause

21 01 2008

Bremen begrüßte mich mit Nieselregen und einer erneuten Fahrpreiserhöhung… 3,15€ musste ich für eine Nachtfahrt löhnen!

Eine 24-Stündige Reise lag hinter mir – erstaunlicherweise ohne wirkliche Komplikationen. Wenn man von Kleinigkeiten wie schreienden Kinder im Flugzeug und prollenden Bundeswehrfronturlaubern im Zug absieht, die mir jeweils den Schlaf geraubt haben. Der Abschied von Yuko war schlimm, aber ich habe das Gefühl, es wird jedesmal leichter, weil die Gewissheit da ist, dass man sich (bald) wiedersieht.

So kann ich nun kurz zurückblicken, bevor ich auf Nahrungssuche gehe. Wenn ich meine ersten Berichte (unter „die alten Berichte“) durchlese, fällt mir auf dass dieses starke Fremdheitsgefühl, das ich in Japan immer verspürte, weitgehend verschwunden ist. Ich fühle mich zwar immer noch überhaupt nicht zuhause, habe aber auch einfach nicht mehr den jungfräulichen Blick auf die Gesellschaft, den man als Neuling in einem seltsamen Land hat. Eigentlich ist das ein gutes Gefühl. Vielleicht ist es schade. In jedem Fall zeigt es, dass ich jetzt eine gewisse Bindung zu dem Land entwickelt habe, die ich nicht missen möchte. In der Tat habe ich mich endlich entschlossen mal (ernsthaft) japanisch zu lernen, damit ich mich mit vielen netten Menschen (z.B. Yukos Eltern, aber auch vielen anderen) endlich richtig unterhalten kann, und beim Einkaufen mehr sagen kann als Bitte und Danke.

Ich habe noch ein bisschen Berichten nachzuholen, vielleicht mache ich das auf der Arbeit :D, haltet die Augen auf. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf das nächste Mal (auf keinen Fall wieder mit Finnair!)… Mal sehen was es dann so gibt 😉

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Secondhand in Nagoya und das ATELIER

18 01 2008

Nach dem klassisch touristischen Schloss in Nagoya fuhren wir durch das riesige und verworrende, teilweise sogar mehrstöckige Strassennetz aus dem Stadtzentrum raus. Unser Ziel war Kimble, ein besonderer, und wie sich herausstellen sollte grossartiger Laden. Kimble ist die anglisierte Version, eigentlich heisst es kim-bul, wobei kim Geld bedeutet, und bul alt (oder umgekehrt, ich weiss es nicht). Das Prinzip ist jedenfalls das gleiche wie bei einem Secondhandladen, nur… etwas grösser.

Nach einer halben Stunde im dichten Verkehr erreichten wir die Parkplatzauffahrt, die von einem überdimensionalen Engelsfigur gekrönt war, die wahrscheinlich zum Verkauf angeboten wurde, aber zu gross war um sie in den Laden zu bekommen. Was nicht heisst das der Laden klein ist – im Gegenteil! Um zumindest mal den Bremern einen Vergleich zu geben: Das E-Center im Walle-Center. Nur ohne Lebensmittelabteilung. Stattdessen mit ungefähr allem was man sich vorstellen kann. Und die Preise… Unglaublich:

– Tadellose Sofas ab 1000 Yen (6 Euro)

–  einen Mantel für 300 Yen (1,80 Euro)

– ein T-Shirt für 50 Yen (30 Cent)

Ausserdem Tische, Schränke, Grossvateruhren, Videos (sogar einfache Videokasetten auf denen irgendwas aufgenommen wurde!), (alte oder trashige) DVDs, Schallplatten (80er J-Pop… Yay!), Spintwände, Subwoofersysteme fürs Auto, Videospiele, Geschirr, Klimaanlagen, Autoradios, (teilweise unidentifizierbares) Handwerkszubehör, Zippofeuerzeuge, Sportgeräte, ………

Für Flohmarktfreunde, Menschen, die nicht an Sperrmüllhaufen vorbeigehen können, oder einfach Sammelwütige und Messis DER TRAUM. Blöderweise waren mir die meisten Klamotten zu klein und ich hatte wenig Bedarf für Möbel oder sonstiges Zeuch… Immerhin habe ich zwei Gläser für insgesamt 40 Yen gekauft, weil ich am Morgen beim Spülen eines zerbrochen hatte. Danach war jedenfalls mein mühsam aufgebautes Verständnis für die Preise in Japan zerstört. Als Sie am nächsten Tag stolz ein in der Stadt gekauftes Oberteil für 2000 Yen präsentierte rief ich aus: „Was, so teuer!?“… Dabei ist 12 Euro echt ok 😀

Noch erschüttert stieg ich wieder zu Ryohey ins Auto. Die Rushhour hatte begonnen, und so quälten wir uns mühsam durch die grossen Strassen, bis wir die nur Ryohey bekannten Schleichwege fanden.

Wir trafen uns mit Ihr, die gerade Feierabend hatte, und Jin am Bahnhof von Nishiharu und gingen Essen. Wir wollten danach noch etwas trinken gehen, das gestaltet sich in Japan aber wirklich schwierig: Es gibt keine Nachtlinien, und Japan verfolgt eine strikte Null-Promille-Politik. Sie war von der Arbeit erschöpft, und wir brachten sie nach hause. Dann fuhren wir zu Ryoheys Atelier, etwa eine halbe Autostunde von Nishiharu entfernt. Wir deckten uns in einem der zahlreichen 24-Stunden Convenient-Stores mit Bier ein (warum haben die Geschäfte solange geöffnet, die Bahnen aber nicht?), und gingen am Fluss entlang zum sehr schön gelegenen Atelier, das, wie es sich für ein Atelier geziemt, äusserst spartanisch eingerichtet ist: Ein leerer, weisser Raum, in dem Ryohey seine Skulpturen erstellt, ein Flur zu einer ungenutzten und vermüllten Küche und dem Planungsraum, ausgestattet mit einem Tisch, einem Stuhl, einer Lampe und einem Ofen sowie einem grell-roten Sofa zum Entspannen. Und da saßen wir dann also, wärmten uns am in Japan obligatorischen Kerosinofen, schlürften (leckeres) japanisches Bier und philosophierten über Kunst und die Unmöglichkeit mit ihr Geld zu verdienen, Japan, und seinen Lifestyle. Neben Arbeit spielt die Entertainmentindustrie eine grosse Rolle, es gibt tausende gigantische Betonklötze, in denen man seine (spärliche) Freizeit mit Pachinko, Karaoke, Sport (Golf), Videospielen und vielen anderen sinnlosen Dingen verplempern kann. Eine Propagandaverschwörungstheorie besagt übrigens, dass die Pachinkoindustrie in der Hand Nordkoreas ist… Sehr lustig 🙂

Schon bald war es Zeit zu gehen, der letzte Zug kommt wie gesagt unweigerlich früh.

Wir gingen zurück in den Regen, aus dem wir gekommen waren, Ryohey fuhr uns zum Bahnhof. Etwa 20 Minuten später war ich wieder bei Ihr, die noch wach war.

Heute ist die Eröffnungsparty einer Ausstellung am anderen Ende Nagoyas, ich muss gleich los. Morgen ist schon der vorletzte Tag. Sie hat frei, ich werde also aus Japan wohl nichts mehr schreiben können. Da ich ein wenig hinterherhinke werde ich also aus Bremen weiterberichten. Es fehlt immerhin noch Tokyo, sowie die Ereignisse aus dieser Woche.

Also, Danke an alle LeserInnen (!) und KommentiererInnen! Man sieht sich ja demnöxt 🙂





Das Schloss von Nagoya und die Edo-Zeit

17 01 2008

Nach etwas längerer Pause will ich mal wieder ein wenig berichten… Das hatte ich mir eigentlich schon für den Montag vorgenommen, aber da kam das konsumieren von sinnlosem Internetinhalt dazwischen, und gestern hatte Sie dank einer Notlüge frei.

Mein letzter Bericht endete noch mit dem Versprechen, anlässlich des Besuchs des Schlosses in Nagoya ein wenig über die Historie Japans zu berichten – aber keine Angst, den Teil werde ich kurz halten. Ich muss schliesslich noch irgendwie über Kimble, Ryoheys Atelier, das beschauliche Tokyo, Osu in Nagoya und ein Treffen mit Akiko schreiben… Ich werde wohl kürzen müssen und wahrscheinlich nicht alles heute schaffen.

Letzte Woche (Donnerstag?) war ich mit Ryohey verabredet, der mich mit dem Auto in die Stadt fuhr. Ziel war das Schloss in Nagoya, Tourismusmagnet und Symbol für die Edo-Zeit, die ich später erklären werde. Das Wetter war eher von mieser Natur, kühl und grau, und sollte sich im Laufe des Tages noch zu fiesem Dauerregen weiterentwickeln. Nach etwa einer halben Stunde durch das verwirrende Strassensystem der Autostadt Nagoya hatten wir das Schloss schliesslich gefunden, eine weitere Viertelstunde später sogar den offiziellen Parkplatz, der übrigens Sauteuer war.

Nach einem Fussweg durch die nur noch teilweise erhaltenen Schlossgärten, über Brücken und tiefe Befestigungsgräben, an alten Teehäusern und Theatern vorbei erreichten wir schliesslich das Schloss, dass sich majestätisch dem Himmel entgegenreckte:

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Leider ist das Hauptgebäude nur ein Wiederaufbau des Originals, welches im Mai 1945 durch einem Amerikanischen Luftangriff komplett ausbrannte. Sichtbar wird das an dem… ähm… Geschmackvollen Fahrstuhlanbau, für den der Architekt einen Preis für das Erhalten des Schlossgeistes verdient:

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Im Schloss selber gibt es auf etwa 8 Etagen viel zu sehen. Alte Artefakte, die nicht im Feuer untergingen, Ausstellungen über das Leben damals, jedenfalls viel Historie, einiges zum Anfassen und lebendig dargestellt, anderes Museumsstaubtrocken, und eines auch einfach nur kitschig: Ein 3D-Film (mit Brille) über den alten Palast, der neben dem Schloss stand und noch nicht wieder aufgebaut wurde. Ich habe selten einen so überflüssigen Einsatz von 3D-Animationen gesehen… Und das obwohl das mein Beruf ist! Statt eines Rundgangs gab es nur vereinzelte „Einblicke“ in die Malereien auf den Schiebetüren, die aber sowieso z.T. gerettet wurden und im Original bewundert werden konnten. Ansonsten aber einen Vogel, der ständig und unpassend 3-Dimensional durchs Bild flog, einen schlecht animierten 3D-Comic Tokugawa (der Kriegsherr, der das Schloss damals bauen liess, dazu später mehr) und, als grosses Finale, kitschigen Blumenregen. Spätestens bei den Blumen konnten Ryohey und ich uns nicht mehr halten und brachen in schallendes Gelächter aus. Wir gingen weiter und bewunderten lieber Samuraischwerter, Möbel und Kostüme aus der Zeit. So lernte ich also ein wenig japanische Geschichte. Das Schloss wurde 1609 von Tokugawa Ieyasu gebaut (bauen lassen), das ist dieser hier: img_0025.jpg

Tokugawa Ieyasu und zwei andere Feldherren hatten nach einer grossen Schlacht im Jahre 1600 die jahrhundertelange Spaltung Japans in hunderte Fürstentümer in einem blutigen Finale beendet, und war militärisch der Alleinherrscher Japans. Er verlegte die Hauptstadt ins heutige Tokyo, was damals noch der unbedeutende Fischereihafen Edo war. Nach Edo wird die folgende, 200 Jahre dauernde Periode auch Edo-Zeit genannt. Entscheidend an dieser Zeit:

– Der Kaiser wurde durch die Verlegung der Hauptstadt entscheidend geschwächt

– Die Fürsten wurden in ihrer Macht stark beschränkt, ein Grossteil der Burgen geschleift

– Somit lag die Macht vor allem in der Hand des Shogunats, also der Kriegsherren

– Die Bevölkerung wird in vier Stände aufgeteilt (von unten nach oben: Händler, Handwerker, Bauern, Samurai)

– Japan wird komplett abgeschottet, das Christentum verboten, ein moderner, weltlicher Buddhismus wird Staatsreligion

Besonders die nationale Isolation hat Japan wahrscheinlich nachhaltig geprägt. In dieser Zeit jedenfalls, ich würde sie einfach mal als Militärdiktatur bezeichnen (andere Quellen sprechen auch von einem Polizeistaat), herrschte lange Zeit Frieden. 200 Jahre lang blühte die Kultur auf, Malerei und Theater entwickelten sich zur Perfektion, der Analphabetismus war gering, und auch die Wirtschaft profitierte enorm. in Tokyo wohnten um 1750 schon eine Million (!) Menschen, in Osaka und Kyoto über 400.000. Nagoyas befestigte Innenstadt sah damals etwa so aus:

img_0033.jpg

Das Ende dieser Blütezeit der japanischen Kultur kam 1853, als Commander Perry von der U.S. Navy mit seinen Kanonenbooten die Öffnung Japans erzwang. Es folgten Aufstände von unzufriedenen Samurai, und schon bald brach das Shogunat zusammen – und der Kaiser war wieder an der Macht. Die Isolation wurde immer weiter aufgegeben, und schliesslich folgte die Meiji-Periode, in der Japan von Agrarstaat zur modernen Imperialen Grossmacht wurde… Das ist aber ein anderes, wenn auch wichtiges Kapitel, legt es doch den Grundstein für die folgenden Perioden, bis hin zum zweiten Weltkrieg, in der wiederrum das schöne Schloss in Nagoya im Feuer zerstört wurde.

Zu Feuer, aber auch zu der nationalen Isolierung, passt folgendes Beispiel von schönstem Engrish:

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Nicht vorenthalten möchte ich schliesslich das grossartige Panorama über Nagoya, dass sich von ganz oben aus dem Schloss bot:

nagoyaschlosspano.jpg <— klick

Und als letztes noch Nagoya zwischen Tradition und Moderne (immer wieder schönes Motiv hier):img_0029.jpg

Soweit erstmal zur Geschichte. Das Schloss ist wirklich ganz nett, ich muss aber gestehen dass ich das meiste nicht im Schloss und auch nicht von Ryohey (wegen sprachlichen Problemen) gelernt habe, sondern mir aus Wikipedia erlesen habe.

Es ist auch schon wieder Spät geworden auf dem Inselgrüppchen Japan – ich werde Morgen weiterschreiben, versprochen 🙂





Der Japaner und das Meer sowie die Erkundung der Nachbarschaft

11 01 2008

Die Tage werden länger. Wegen des Kalenders, aber auch, weil Sie arbeiten muss. Und weil es in ihrer neuen Wohnung kein Internet gibt. Mein Geld ist schon zu einem bedrohlichen Grade in die japanische Volkswirtschaft verschwunden und wird somit früher oder später in den Händen von Toyota, unter den mächtigen Megakonzernen hier der größte, landen. Jedenfalls lässt sich mit dem wenigen, was sich noch in meinem (übrigens tadellos wieder zurückgeschickten) Portemonnaie befindet, kein ausgiebiger Internetcafébesuch mehr finanzieren. Da ich euch dennoch an meinem Leben in der Ferne teilhaben lassen möchte hab ich mir was schlaues überlegt: Ich schreibe einfach vor! Und so sitze ich in Ihrem Häuschen, das Notebook auf dem Schoß und die Sonne im Gesicht, das vom Boden reichende Fenster weit offen, so dass die von mäßiger Arbeitsamkeit zeugenden Geräusche der Nachbarschaft an mein Ohr dringen können und schreibe längliche Texte darüber, was ich gerade tue, anstatt zu schreiben, was ich schon interessantes getan habe…
Vorgestern konnte Sie zu meiner grossen Freude einen Übertag abfeiern, den sie sich an einem Sonntag erarbeitet hatte. Wir beschlossen, nachdem wir den Vormittag schön verpennten, ins Nagoyanische Aquarium zu gehen. Nach etwa einer dreiviertel Stunde Fahrt in schon in der Mittagszeit überfüllten U-Bahnen kamen wir schliesslich an dem Hafen an, wo die aquazoologischen Urväter seinerzeit das Aqaurium errichtet hatten. Neben dem winzigen Ausschnitt des Hafens fiel vor allem die majestätische Brücke ins Auge, die es Autos erlaubt, die große Bucht von Nagoya zu überqueren.

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(Brücke scheinbar irgendwie abgeschnitten…)

Kaum den Eintrittspreis bezahlt hörten wir schon die Durchsage, dass die Delfinshow gleich losgehen würde, und die Viecher lieferten eine wahrlich beeindruckende Darbietung ab. Delfine sind nicht nur intelligent, sondern sauschnell und sprungkräftig! Hinter uns saß eine deutsche Mutter mit dickem Kind, das ständig altkluge Kommentare abließ… Ich versuchte, mich nicht davon irritieren zu lassen, und sah weiter den Tieren zu.
Wir besuchten nach der Show noch die Beluga-Wale inklusive Junges, die mir hervorragende Argumente für eine relativ alte Diskussion zwischen Ihr und mir über den Walfang gab. Sie vertritt nämlich den japanischen Standpunkt: Es gibt genug Wale, es ist japanische Kultur, alles was einem das Meer anbietet zu essen, und das alle anderen Nationen den Walfang aufgegeben haben ist ja umso besser, dann gibt es ja wieder mehr Wale. Selber hat sie nie Walfleisch gegessen, weil das wahrscheinlich nicht schmeckt, würde es aber ohne bedenken tun. Sogar Delfinfleisch wäre kein Problem, wenn die Tiere so lecker wie z.B. Lachs wären. Greenpeace hat in Japan (oder zumindest bei Ihr, die eigentlich ziemlich „Öko“ ist) übrigens einen schlechten Ruf als Radikalenorganisation… Ich finde Greenpeace ja eher viel zu harmlos und zu idealistisch (im philosophischen Sinne)… Jedenfalls waren die Viecher so beeindruckend (und das Junge niedlich), und vom familiären Zusammenhang den Menschen so nahe, dass selbst Yuko zugeben musste dass es traurig wäre, wenn z.B. eine Walmutter gefangen werden würde und ihr Kind alleine würde.


Nach den intelligenten Meeresbewohnern statteten wir den Fischen, die zum Essen gedacht sind, einen Besuch ab. Enorme Schwärme von silbern glänzenden Fischchen neben bunten Quallen, seltsam durchsichtige Tintenfische und riesige Schildkröten, eine Armada von verschiedensten bunten Fischlein und bizarren Fischen mit komischen Gesichtern, ekelige Schalenviecher und ein fauler Oktopus reichten sich die Flossen. Sie stellte bei fast jedem Aquarium fest, der Fisch darin sei lecker. Jaja, so isser, der Japaner!

Wir aßen an dem Tag übrigens keinen Fisch mehr, sondern Arabisch. Eigentlich ist ausländisches Essen eher selten in Japan, was an der geringen Zahl von Ausländern liegen könnte… Trotzdem ist es immer lecker, wahrscheinlich weil es sich gegen die hervorragend ausgebildete japanische Kunst, Fisch und Meeresfrüchte zuzubereiten, behaupten muss.

Abgesehen von dem Highlight Aquarium ist nicht so besonders viel passiert. Das japanische Fernsehen ist immer noch so (schlecht) wie das deutsche, nur anders und auf japanisch, so dass ich 99% nicht verstehen kann. Ausnahme: Bleach und andere Animes. Nur leider auch auf japanisch und ohne Untertitel. Der Fernsehempfang hier ist aber ohnehin Mies:

Das könnte auch an diesem Teil liegen, was etwa 100 Meter von IHrem Häuschen (allerdings nach hinten) entfernt steht:

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(zum betrachten bitte Kopf nach links kippen)

Die japanische, kleinbürgerliche (Vor- und Klein-)Garten“kunst“ braucht sich übrigens vor der deutschen nicht zu verstecken, wie die Nachbarschaft hier beweist:

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Sehr praktisch um die Orientierung zu behalten sind übrigens die etwas größeren Häuser, die scheinbar wahllos irgendwo hingebaut wurden:

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An dieser Schule findet Sie übrigens überhaupt nichts ungewöhnliches. Naja, die deutschen Schulen sehen oft auch nicht besser aus, und entscheidend ist ja auch was drinnen passiert…

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Nachtrag: Ich sitze mit Ryohey in einem etwas besonderen Internetcafe, in dem man auch wohnen koennte. In der Tat ist es wohl auch so, dass viele obdachlose Jugendliche das tun… Wir haben vorher noch interessante und lustige Sachen erlebt, die ich beim naechsten Mal berichte. Es wird einen kleinen Geschichtskurs geben (Schloss in Nagoya besucht) sowie Eindruecke aus einem Allessecondhandladen…

Am Wochenende sind wir in Tokyo, danach hat Sie ENDLICH Internet und ich werde fleissig berichten. Liebe Gruesse an alle liebenden (und ich hab da einiges gehoert!)





Umgezogen!

7 01 2008

Gestern um 19h war es geschafft. Der Grossteil der Kartons war ausgepackt, und Ihre alte Wohnung so leer wie unsere Maegen. Ryohey, den wir kurzfristig um Mithilfe gebeten hatten, hatte verschlafen, und so waren wir mit einem Kollegen von Ihr zunaechst nur zu dritt, und standen einer Armee von tausender kleiner Sachen, schwerer Kartons, Schnickschnack aller Art und nicht zuletzt Betten, Regalen, Waschmaschinen und Kuehlschraenken gegenueber. Wir nahmen allen Mut zusammen und stuerzten uns in die Schlacht. Vom Himmel brannte die Sonne und strafte alle Kalender, die den Winter anzeigten, Luegen. Ihre Wohnung lag im sechsten Stock, und auch wenn wir die Dienste des Fahrstuhls sehr gerne in Anspruch nahmen, forderte das etwas aeltere Modell bei seiner gemaechlichen Fahrt auf- und abwaerts doch viel Geduld.

Schliesslich war der kleine Leihtransporter voll, und im Schneckentempo (die Sachen waren nicht fixiert und rutschten Bedrohlich hin und her) fuhren wir zu Ihrer neuer Wohnung, wo schon Shoko auf uns wartete und kraeftig mit anpackte. Irgendwann war sogar Ryohey da, und die zweite Fuhre ging um einiges schneller. Als alle Sachen drueben waren ging fuer Sie der Stress los: Sie musste mit dem Vermieter der neuen Wohnung, dem der alten Wohnung, ihrer alten Hausmeistering sowie zwei Angestellten der Gasversorgung sprechen, unterschreiben, organisieren, dann die Wohnung einrichten, wobei wir ihr kraeftig mithalfen oder im Weg standen.

Um 19h liessen wir die Arbeit Arbeit sein, und Sie , Shoko und ich gingen als die letzten, die standhielten, Essen. Wobei Essen es nicht wirklich trifft… Es war vielmehr ein Fress- und Saufgelage. Grossartig! Uebrigens wuerde die kleine, zierliche Shoko so manchen Deutschen unter den Tisch trinken… Ich hingegen weiss wann man aufhoert und habe mich irgendwann geschlagen gegeben. Mit vollem Bauch gingen wir, wegen einer ploetzlichen Verwandlung des Strassenbelages in Gummi ein wenig wankend, nach Hause.

Sie musste heute morgen zur Arbeit, ich blieb noch ein wenig liegen, um das droehnen aus meinem Kopf zu bekommen. Schliesslich stand ich auf, ging duschen, vergass aber ein Handtuch, irrte tropfend durch die Wohnung ohne eines zu finden, stellte mich schliesslich unter die Klimaanlage, die ich auf 30grad stellte, machte den Foen an und liess so die Sicherung rausknallen. Die Wohnung hatte mich freundlich wissen lassen, wer der Herr im Hause ist.

Schliesslich fuhr ich mit dem Fahrrad einfach mal die Strasse runter, bis zu einer groesseren Strasse, der ich folgte, wo mir dann ploetzlich dieses Internetcafe ueber den Weg lief. Ich fuerchte es wird ein bisschen teuer werden, deswegen hoere ich jetzt auch auf. zackundweg





SO!

6 01 2008

Ihr Hab und Gut ist in diversen Kartons verpackt, und sie holt gerade eine Umzugshilfe (einen Kollegen von ihr) vom Bahnhof ab. Die Sonne scheint, als dächte sie es wäre schon Frühling und aus dem Notebook, als einziger noch nicht verstaut, tönt chillig Led Zeppelin… Von mir aus kanns losgehen!

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Gestern abend irgendwann…

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Vor 10 Minuten und in alberner Pose vor gepackten Kartons 😉

Ihr neues Haus ist übrigens für Nagoyanische Verhältnisse geradezu abgeschieden: Links und Rechts ist jeweils ein Meter Platz zum Nachbarn, vor der Tür ist ein kleines Feld, auf dem irgendwas angepflanzt wird, und nach hinten ist auch ein bisschen Raum. Die Wohnung ist modern eingerichtet (mit geheizter Klobrille!), und mit Tatami (Reismatten) ausgelegt. Fotos folgen.

Es wird ab jetzt, wie schon erwähnt, etwas schwieriger hier was zu schreiben, ich muss jedesmal ca. 20 Minuten Fahrrad zum nächsten Eingang in die Matrix fahren… Also, macht keinen Quatsch hier nur weil mal keiner aufpasst! 😉





Citylights

4 01 2008

Gerade aus dem ziemlich vollen und hektischen Nagoya zurückgekommen. Der Winterschlussverkauf zieht die Menschen an wie Motten das Licht (oder umgekehrt – je nach Bezugssystem). Ich habe mir eine neue Hose gekauft, weil ich der sehr avantgardistischen japanischen Mode nicht widerstehen konnte.  Fast wäre noch ein Hut dabei gewesen, mein Kopf erweist sich bei solchen Gelegenheiten aber regelmässig als zu gross.

Ich hab zwei Fotos gemacht die mir gefallen:

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Ich habe erfahren dass es (relativ) in der Nähe ein Netcafe gibt – also bleibt ihr doch auf dem laufenden!