Es Frühlingt!

27 03 2009

Ich hab gehört, dass es gestern früh in Bremen geschneit hat. HA! Ich bin ja sowas von NICHT neidisch!

Oben im Header gibts jetzt ein neues Bild, ein Panorama aus dem Park Shonairyokuchikoen (WAS FÜR EIN NAME! Danke an Georg, ich hab mal strg+c / strg+v gemacht). Da hab ich letztens schön auf der Wiese gelegen und mir die Sonne ins Gesicht scheinen lassen (und natürlich Japanisch gelernt, ich lieg hier ja nich auf der faulen Haut rum!). Links sieht man die Bahnhofsgebäude (höchstes Bahnhofgebäude der Welt), dann eine riesige Brücke, die über irgendeinen Fluss geht. Das Foto ist von einem Deich aufgenommen, neben dem sich rechts der Park erstreckt. Ich mag den Moloch/Parkkontrast 🙂

Die Kirschblüte ist auch langsam im Anmarsch:

Der Gojokawa wird grade kaputtgemacht, die lauten Bagger sind natürlich besonders entspannend und romantisch. Tss, die Japaner…

Wenn die Blüten richtig fertig sind gibts natürlich mehr Fotos!





Hans Mustermann Superstar

24 03 2009

Im Moment läuft die Baseballweltmeisterschaft, der World Baseball Classic. Unter normalen Umständen wäre mir dies nichtmal ein müdes Gähnen wert, geschweige denn einen Artikel. Da ich mich aber in Japan befinde, und Baseball hier neben Sumoringen die Nationalsportart ist, komme ich garnicht daran vorbei.

Schon letzte Woche machte mich Jin darauf aufmerksam, dass Japan gegen Südkorea gespielt hat, und zwar schon das vierte mal in dieser Weltmeisterschaft. In beiden Ländern ist Baseball sehr populär, und natürlich geht es gerade bei Japan – Südkorea um viel Prestige, das Spiel hat quasi Derbycharakter. Die Bilanz der bisherigen Spiele ist ausgeglichen. Japan zog am Samstag durch einen Sieg gegen Kuba ins Halbfinale ein. Der Gegner: Ausgerechnet USA, Heimatland des Baseball!

In der amerikanischen Major League spielt übrigens auch Japans grösster Star, Ichiro Suzuki. Dieser Name ist so gewöhnlich, dass er z.B. auf Überweisungsmustern als Beispielname genannt ist. Da dies dem Mann natürlich nicht gerecht wird, nutzt er seinen Vornamen quasi als Künstlernamen, und zwar in Katakana geschrieben, das ist die Schrift, mit der normalerweise ausländische Worte oder Lautmalereien geschrieben werden. Schon ein bisschen cool.

Dazu kommt, dass er auch noch cool aussieht und wohl einen sehr eigenen Wurf- und Schlagstil hat. In der Amerikanischen Liga hat der Mann ausserdem noch diverse Rekorde gebrochen, kann also nebenbei wohl auch noch gut spielen. Die Euphorie um ihn ist vielleicht noch mit Beckham zu seinen Hochzeiten zu vergleichen. Ichiros Präsenz in Werbung, Nachrichten und sonstigen Medien ist ein bisschen Penetrant. Aber die Japaner haben Jahre mit dem Sakana-Lied an den Fischtheken im Supermarkt überlebt, mögen blinkende Lichter und laute Werbung. Ich glaube Penetranz gehört zu dieser so höflichen Gesellschaft wie das Salz zur Suppe.

Jedenfalls war heute morgen das Halbfinale des World Baseball Classic, USA gegen Japan! In den USA! Also quasi doppelter Heimvorteil für die Amerikaner (weil Baseball ja auch schon von da kommt haben die Amis quasi IMMER Heimvorteil beim Baseball)…

Da ich die Regeln mittlerweile durch Wii-Spielen am Wochenende bei Ihren Eltern gelernt habe, stellt das Verständnis des Treibens auf dem Bildschirm mich nicht mehr vor Rätsel. Und es ist wie beim American Football: Wenn man die Regeln mal Verstanden hat kann das Spiel wirklich ganz nett sein.

Um hier niemanden zu langweilen die Kurzfassung: Im ersten Inning (es werden 9 gespielt) hauten die Amis im zweiten Schlag gleich mal einen Homerun raus, führten 1:0. Aber Japan schaffte schon im folgenden Inning durch gutes Spiel den Ausgleich und ging sogar 1:2 in Führung. Im vierten Inning schliesslich die Serie, die das Spiel entscheiden sollte: Die USA schafften es einfach nicht, Strikes gegen die Japaner zu landen. 4 Punkte konnte Japan erobern, bis endlich der letzte Spieler rausgeworfen wurde. Die Amis erholten sich von diesem Schlag nicht mehr, auch wenn sie nochmal bis auf ein 4:6 rankamen. Japan machte dann aber mit 4:9 alles klar, und zog Souverän ins Finale ein. Ichiro fiel nicht durch grosse Aktionen auf, wurde von dem Kameras trotzdem auf Schritt und Tritt verfolgt.

Japan ist im Finale! Der Gegner: Südkorea!!! Morgen früh gehts los, Ichiro ist bestimmt NICHT aufgeregt!





Erkenntnisreicher Samstag

15 03 2009

– Vom Bahnhof Tokushige, also hier um die Ecke, fährt nicht nur der Meitetsu nach Nagoya. Es fährt auch die Tsurumai-Line, die ans Ende der Welt fährt. Von da aus wieder nach Nagoya dauert lange und ist langweilig. Das S- und U-Bahnnetz habe ich jetzt immerhin verstanden.

– Die Japaner übertreiben. Vor Bic-Camera (ein Laden für Elektronikzeug) ist ein riesiger Bildschirm mit sehr lauter Werbung. Ausserdem 5 Werbeaktivisten, die Schilder hochhalten, dir Taschentücher andrehen, und dich mit dem Megafon anbrüllen. Mir ist nie aufgefallen, dass die Werbung in Deutschland so zurückhaltend ist.

– Die Wörtliche Übersetzung für „Waldmeister“ (森先生 – Morisensei) hilft nicht beim Erklären des Geschmacks auf einer Party.

– Ich habe bei Kayo-San, meiner grossartigen VHS-Japanischlehrerin, nur „Keigo“ gelernt. Das ist zwar das offizielle Japanisch, junge Leute sprechen es aber nicht. Zum Beispiel sagt man nicht: „Ima wa nanji desu ka?“ (Wie spät ist es jetzt?), sondern „Ima nanji?“ (Jetzt spät?).

– Grasovka ist lecker. „Lecker“ heisst nicht immer „gut für dich“.

– In Salz eingelegte Fischgedärme (Shutou)  ist nicht so lecker wie es klingt. Auch nicht nach dem zehnten probieren. Der wörtliche Übersetzung dafür ist „Sakedieb“, weil das so gut zu Reiswein passt, dass man ihn klauen muss. Und ich dachte, er würde mir ein bisschen Alkohol aus dem Körper klauen. Dem war nicht so.

Das Foto ist nicht von mir.

– Eine Party ist nur gut, wenn die Bullen kommen oder einer kotzt. Wären doch nur die Bullen gekommen…





Zeitverschiebung und Daten mit Gratulationspotential – was tun?

10 03 2009

Man darf ja bekanntlich einem Geburtstagskind nicht vorträglich gratulieren, weil das Unglück bringt. Was aber wenn dieser in einer anderen Zeitzone steckt? Ist das Datum des Gratulanten oder des Gratulierten entscheidend?

Ich hab jedenfalls dieses Jahr 8 Stunden früher Geburtstag als sonst. Ich überlasse euch jetzt die Diskussion, ab wann man gratulieren darf. Eine halbe Stunde müsst ihr in jedem Fall noch warten, sonst bringts Unglück 😉





Endlich Wochenende!

7 03 2009

So, die erste Woche ist vorbei. Die Sonne traut sich wieder in das Land, in dem sie aufgeht, wahrscheinlich weil Sie frei hat. Heute morgen erstmal ein kurzer Abstecher zum Zahnarzt. Auf dem Behandlungsstuhl sitzend kann man Tom & Jerry gucken (eine etwas ironische Wahl). Den Zahnarztbesuch muss man direkt bezahlen, da bei Ihr aber nur eine ganz kurze Kontrolle anstand waren es nur 3€, die sie löhnen musste.

Auf dem Rückweg haben wir ein paar Fotos gemacht:

Am Fluss

Tatsächlich Frühling! Die (Kirsch-)Bäume werden in ein paar Wochen weiß Blühen, das Kirschblütenfest (Ohanami) wird ein echtes Highlight werden!

BlümchenDiese hübschen Blümchen heissen Inufuguri (auf Deutsch: Hundepenis!!!)

img_0011Ich schiebe Ihr cooles Fahrrad.

Heute abend gehen wir mit Ayano-Chan (eine Englisch-Lehrerin) Curry essen, später kommen Jin (der Poet, rechts gibts einen Link zu seiner Website) und seine Freundin zum Biertrinken vorbei. Ob ich Fussball sehen kann (heute abend um 23h könnte ich Werder-Hoffenheim per Live-Stream sehen) ist fraglich – ich verzichte aber nicht ungerne bei der Perspektive, ein bisschen unter Leuten zu sein.





Erste Spracherfolge…

5 03 2009

… eben beim Einkaufen: Ich hatte die Mission bekommen, Milch, Erfrischungsgetränk (Poccari Sweat), und Mittagessen (Instantnudeln, mjam!) für morgen zu kaufen. Nachdem ich die Reizüberflutung durch Musik, bimmelnde Werbung in den Regalen und den noch bunteren Verpackungen als in Deutschland überstanden hatte, machte ich mich auf die Suche nach den Sachen auf meiner Liste. Bald war alles gefunden – nur die Milch blieb unauffindbar. Also habe ich kurzerhand eine Verkäuferin gefragt: „牛乳は何処ですか。“ (Gyuunyu wa doko desu ka? – Wo ist die Milch?). Und ZACK! führt die Frau mich zielstrebig zur Milch!

Manchmal erfährt man auch durch Kleinigkeiten Erfolgserlebnisse 🙂





Regierung und Opposition versagen

4 03 2009

Die japanische Wirtschaft wurde von der Wirtschaftskrise getroffen wie ein Ruderboot von einem Torpedo. Die wichtigsten Sektoren der Wirtschaft, die Autoindustrie und elektronische Unterhaltung, sind von der Konsumbereitschaft der Welt abhängig, die auf dem besten Weg ist, ins Bodenlose zu stürzen.

Im Februar sanken die Exporte um 41% im Vergleich zum Vorjahr. Letzen Monat waren es noch -13,9%, und der japanische Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik sprach von der „schlimmsten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit“. So wie es aktuell aussieht ist das eine maßlose Untertreibung.

Die Regierung scheint unfähig zu handeln. Ein Konjunkturpaket wurde nicht an der Opposition vorbeigeschleust, der Finanzminsiter Nakagawa fällt auf dem G7-Gipfel in Rom betrunken aus der Rolle und muss zurücktreten. Die Umfragewerte für die Regierung sind im Keller, beste Vorraussetzungen für die Opposition, wie man meinen sollte. Vorgezogene Neuwahlen sind nicht auszuschliessen, und bis gestern sah es so aus, als würde die seit 50 Jahren fast ununterbrochen regierende LDP (Liberaldemokratische Partei, Jiminto) übel aufs Auge bekommen.

Die grösste Oppositionspartei, die Demokratische Partei (Minshuto), freute sich schon einen Keks. Der Ruf nach „Change“ scheint in der japanischen Politik angekommen zu sein. Das Problem: Die Demokratische Partei hat sich kurz vor der Ziellinie voll ins Knie geschossen. Gestern wurde nämlich der Chefsekretär von Parteichef Ozawa verhaftet: Illegale Parteispenden!

Die Öffentlichkeit ist geschockt, interviewte Passanten im Fernsehen sagten, dass die nun garnicht mehr wissen, was sie glauben sollen. Ein Sprecher des Frühstücksfernsehens verglich die Situation mit einem Fussballspiel. Der amtierende Premierminister Aso lag bis gestern wegen diverser Eigentore -5:0 hinten. Die Spendenaffäre ist aber ein so herbes „Suupa-Oun-Gooru“ (Super-Eigentor), dass es jetzt -5:-5 steht.

Die Situation bleibt spannend. Die kleineren Oppositionsparteien (Sozialdemokraten, Kommunisten und eine religiöse Partei) dürften gestärkt aus der Krise hervorgehen. Die (leider ziemlich brave) Kommunistische Partei konnte schon vorher einen grossen Zuwachs an Mitgliedern verzeichnen. Ein sozialistisches Buch von 1929 über den Kampf der Krabbenschiffarbeiter gegen Ausbeutung und Repression erfuhr ein ungewöhnliches Comeback und war im August letzten Jahres in den Bestsellerlisten. Die sich weiter vertiefende wirtschaftliche und politische Krise dürfte die Offenheit für sozialistische Ideen weiter stärken. Wenn der Begriff nicht schon ziemlich ausgelutscht wäre – ich würde von einem Wendepunkt sprechen. Spannende Zeiten hier!