Fussball und Umgebung

24 04 2009

3 Wochen sind ins Land gestrichen, die Kirschblüte ist schon lange vorbei. Nach dem Kirschblütenfest war ich erstmal ne Woche krank (38° – SCHWERES FIEBER!) und war damit beschäftigt, Taschentücher vollzurotzen. Mjam. Genau diese Woche war übrigens die schönste: Herrliches Wetter und volle Kirschblüte. Als ich wieder gesundet war, gab es erstmal 2 Regentage, dann einen Sturmtag, und als sich die Sonne dann mal wieder raustraute waren alle Kirschbäume grün. Tolle Wurst.

kischbluetenende

Ich muss mich also mit anderen Highlights Japans begnügen, wenn ich durch die Gegend radele. Hier 2 Fotos, in der Nähe des Bahnhofs Nishiharu aufgenommen:

strasse

Hier vor einigen Jahren hat Jin eine Performance mit dem deutschen Titel „Lichte Nacht“ gehalten. Zu seinem Gedichtvortrag hatte er nachts auf diese Strasse eingeladen, und hatte die Stadtwerke gebeten zu einem bestimmten Zeitpunkt die übedurchschnittlich zahlreichen Laternen auszumachen. rost

Tote Häuser sind keine Seltenheit.

Ansonsten ist zu berichten, dass ich mein erstes Fussballspiel hinter mir habe. Hier ist der Bericht vom F.C. Tomichan (benannt nach seinem Gründer Tomi, auch son Künstler 😉 ) – ich bin auf zwei Bildern sogar zu erkennen! Die Japaner sind alle Dribbelkünstler. Fummelkisten ohne Ende. Da das nicht so mein Spielstil ist und man auf Filz keine Blutgrätschen machen kann, hab ich mich lieber ins Tor gestellt. Leider ging das Spiel trotzdem verloren, an mir lags aber nicht!

Apropos: Gestern nacht musste ich etwas länger wach bleiben. Anstoss beim Spiel Werder gegen HSV war um 3:30. Müde war ich allerdings überhaupt nicht, und musste noch eine Stunde nach dem Spiel, bis etwa 7h morgens, noch Stimmen zum Spiel lesen und mich mit anderen Fans im Worum austauschen. Sehr zu empfehlen übrigens der Live-Ticker von 11 Freunde (von unten nach oben zu lesen)! Auch heute habe ich immer noch irgendwie ein Grinsen im Gesicht 😀

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Ohanami!

6 04 2009

Endlich! Die Kirschblüte ist fertig! Japan dreht wie jedes Jahr durch, was ich bisher mangels praktischer Erfahrung nie so richtig nachvollziehen konnte. Nach diesem Wochenende finde ich den Kirschblütenhype aber doch verständlich und gut nachvollziehbar.

Am Freitag war ich in der Stadt, um das Arbeitsamt für Ausländer zu besuchen (noch nix gefunden). Alles sehr busy, und die Sakurabäume, die an jeder Ecke stehen, wirken ein bisschen verloren, wie… rosane Kirschblüten in einem Betonmoloch wie Nagoya nunmal wirken.sakura in nagoya

Auf dem Rückweg bin ich durch den Shonai Ryokuchi Koen spaziert (dessen Name ich mittlerweile ohne Copy & Paste beherrsche). Ich liess mir gemütlich die Frühlingssonne beim schlendern ins Gesicht scheinen, als ich plötzlich in einem hellrosanen Wald (um ehrlich zu sein eher  Wäldchen) stand. Der Blütenduft, das zarte Rosa, der Sonnenschein – wie Frühling!

sakurainryokuchi1

Am abend stellte sich eine leichte Ernüchterung ein, als der Wetterfrosch im Fernsehen für den Samstag Regen vorraussagte. Das wahrscheinlich einzige richtig gute Ohanamiwochende sollte also verregnet sein – ein Graus! Wir liessen uns davon aber nicht einschüchtern, und gingen todesmutig am Samstag morgen (naja, mittag) in den Park, um ein schönes Picknickfrühstück abzuhalten. Im Park war schon ordentlich was los: Auf einer grossen Wiese lagen dutzende grosse Plastikplanen, auf denen grillende, trinkende, sich vergnügende Menschen saßen. Kinder tollten zwischen den Kirschbäumen, Omas liessen sich in ihren Rollstühlen durch die Gegend schieben, Vögel zwitscherten in den fluffigen hellrosa Bäumen. Niemand störte sich an dem bisschen Nieselregen, so muss es sein!

Am Abend war ich mit Ryohey verabredet, das nächste Highlight wartete: Yozakura (also das betrachten der Kirschblüte bei Nacht)! Wir fuhren an den Gojogawa (der Fluss, der an einer Stelle gerade kaputtgemacht wird), an dessen Ufer 10.000 Sakurabäume gepflanzt sind. Unter den Bäumen herrscht Volksfest: Eine Bude reiht sich an die andere, um Dango (Snacks und Süßigkeiten) zu verkaufen, das Sprichwort „sakura yori dango“ (Die Kirschblüten sind wichtiger als die Leckereien), störte keinen. Wir genossen also auch einige Leckereien und liessen die über dem Fluss hängenden und von Scheinwerfern beschienenen Kirschblüten auf uns wirken. Einziger Wermutstropfen war der Regen, der zwar einen Grossteil zur schönen Athmosphäre der Sakura im Scheinwerferlicht beitrug, aber halt auch nass und kalt war.

Wir wärmten uns in Ryoheys Atelier auf und begossen unsere trockenen Kehlen mit Bier, und diskutierten über Kunst, Krise, Kapitalismus und Kulturunterschiede, bis der letzte Zug kam.

Am Sonntag war es dann nicht so leicht aufzustehen, dabei waren wir doch mit Shouko unter den Kirschbäumen des Gojogawa zum Zechen verabredet. Mit Bier und Sushi im Gepäck radelten wir also den Fluss entlang, und die Tatsache, dass Shouko auf dem Gepäckträger saß und mich zu grösserer Eile antrieb, gab mir endlich mal die Gelegenheit, den Satz „boku wa uma janai!“ (ich bin kein Pferd!) zu sagen.

Sakura am Gojogawa

Im Laufe des abends trafen wir übrigens zufällig Ryohey, sowie Hiro und Yo und einen weiteren, dessen Name zu lang zum merken war. Der Mond schien durch die Kirschblüten auf das Flussufer, an dem wir saßen und Dango und Biiru genossen.

Später gingen wir noch gegrillte Innereien essen (mit denen ich mich immer noch nicht anfreunden konnte), und in einem chinesischen Restaurant einen Likör trinken, der stark nach Sojasoße schmeckte.

Ohanami ist hier wirklich high-life. Der Grund ist, dass zur gleichen Zeit, wie die Kirsche blüht (die übrigens keine Früchte trägt), auch das neue Schul- und Arbeitsjahr beginnt, das heisst Alteingesessene und Novizen kommen zusammen, und können sich Saketrinkend unter den Kirschbäumen kennenlernen. Abgesehen davon kann man sehr schön über Leben und Tod nachdenken, während man ins nur so kurz andauernde Rosa blickt.

Heute abend rief mich übrigens Jin an, ob ich nicht mit in einen Park kommen möchte, ein bisschen Ohanami feiern. Ich glaube aber ich brauch mal ne Pause… So viel Spass wie das saufen unter Kirschbäumen auch macht, der Kater am nächsten Tag ist der gleiche wie ohne Kirschblüte.





April April!

2 04 2009

Jaja, manche haben es sofort gemerkt (und mussten es natürlich gleich laut rausposaunen!), ich hab aber durchaus authentisch besorgte Reaktionen bekommen. Den Urhebern dieser sei gesagt: KEINE SORGE, ICH WERDE NICHT ABGESCHOBEN! Ich weiss, ich bin gemein, aber am ersten April sollte man gerade solchen Geschichten weniger glauben schenken als normal.

Nun zum Körnchen Wahrheit: Ich war vorgestern tatsächlich im Stadtteilrathaus, in dem sich eine grosse Amtsstube befindet, bis oben gefüllt mit Beamten, Anträgen, wartenden Antragsstellern. Und es spricht wirklich keine Sau englisch!

Die Anmeldung (Alien Registration) verlief trotzdem einfach (wenn man von den Problemen absieht, die ich dem Beamten mit meiner krikkeligen lateinischen Schrift gemacht habe absieht), vor allem auch dank Shoko, die zwar immer noch kaum englisch spricht, mir aber das Amtsjapanisch mit Händen und Füssen erklärt hat. Sie verdient dafür auf jeden Fall diverse Orden, wenn ich welche verteilen könnte.

Die Sprachprobleme holten uns dann schliesslich doch ein: Eine etwas übereifrige Beamtin meinte, mich auf die Krankenversicherungspflicht für Ausländer, die ein Jahr oder länger in Japan bleiben, aufmerksam machen zu müssen. Das habe ich aber erst nach ungefähr einer halben Stunde verstanden, die die arme Shoko, die Beamtin und mich zur Verzweiflung gebracht hatten.

Den Hinweis, dass ich schon Krankenversichert bin, sogar für ein Jahr und Ausland und so, interessierte die gute Frau wenig. Sie las mir (!) aus dem Gesetzestext (!) vor, in dem das mit dem Jahr oder länger usw. stand.

Die Krankenversicherung hätte 50.000 Yen gekostet (~400€), weswegen beide Seiten auf ihren Positionen („Ich brauche keine weitere Krankenkasse!“ – „Sie brauchen eine weitere Krankenkasse!“) beharrten.

Klärung brachte schliesslich die deutsche Botschaft, deren Nummer ich glücklicherweise in meinem Handy eingespeichert habe. Der Knackpunkt war das „Ein Jahr oder länger“. In meinem Visum steht nämlich, dass ich vom 2. März 2009 bis zum 2. März 2010 aufenthaltsberechtigt bin. Das ist ein Jahr, und somit einen Tag länger, als ich ohne japanische Krankenversicherung hier sein dürfte. Also habe ich der (ob der Problematik übrigens sehr erstaunten) Botschafterin erklärt, dass ich ja schon früher abreise, und dass die Angabe im Visum ja nix mit meiner faktischen Aufenthaltsdauer, sondern nur mit der Berechtigung zu tun habe, und ich bestimmt nicht „ein Jahr oder länger“ bleibe, sondern höchstens 364 Tage. Die Botschafterin übersetzte das in Amtsjapanisch, die Beamte sagte einige male „Wakarimashita, sumimasen, hai!“ („Ich verstehe, Verzeihung, jawohl!“), und die Botschafterin teilte mir mit, dass die Argumentation gezogen habe.

Äusserst erleichtert verliessen wir den Ort des Grauens, und von diesem Tag an war ich sowohl der deutschen Botschaft als auch Shoko EINIGE Biere schuldig.

Aber stellt euch mal vor, man hat als Ausländer in einem fremden Staat wirklich irgendwelche Visumsprobleme? Stellt euch vor, vor euch sitzen irgendwelche Beamten mit Gesetzestext in der Hand, und erzählen dir, dass du jetzt wieder in deine Heimat zurück musst, möglicherweise, nachdem du hier schon dein neues Leben erfolgreich begonnen hast, eine Stelle, eine Wohnung, Familie hast…

Seit Wochen geht hier der Fall der Familie Calderon durch die Medien (kurze Zusammenfassung auf englisch hier). Die Calderons waren vor 15 Jahren unter falschem Pass nach Japan eingereist, haben hier aber ein neues Leben angefangen, und eine Tochter bekommen. Diese ist jetzt 13, spricht nur japanisch und fühlt sich als Japanerin. Die Behörden haben von den falschen Pässen Wind bekommen, und haben gedroht, einfach alle (inklusive der Tochter) abzuschieben. Unter diesem Druck haben die Eltern jetzt „zugestimmt“, ihre Tochter zurückzulassen und „freiwillig“ zurück auf die Phillipinen zu gehen. Immerhin ist Japan so grosszügig, von der 5-Jahres Einreisesperre AUSNAHMSWEISE für kurze Besuche der Tochter abzusehen. Scheisse sind die nett.

Naja, zum Glück musste ich nicht unter falschem Pass einreisen. Es gibt aber genug Menschen auf der Welt, die dem gewaltigen Staatsapparat aus Beamten, Papieren, Gesetzen und Polizisten mit ihren Gefängnissen kein Stück Papier entgegenzusetzen haben, auf dem steht, dass sie auf genau DIESEM Flecken der Erde leben dürfen. Is das bekloppt oder nich?





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1 04 2009

Gestern war ich beim Amt, um die vorgeschriebene Anmeldung für Ausländer zu machen. Die Bürokratie ist schlimmer als in Deutschland, niemand spricht englisch, mein japanisch reicht vorne und hinten nicht. Die Beamten werden ungeduldig, und plötzlich ist von der japanischen Höflichkeit nichts mehr zu spüren.

Ich werde in ein Büro geführt, in dem ein hohes Tier mir sehr einschüchternd mit einem Zettel vor der Nase herumwedelt. Ich rufe bei der deutschen Botschaft an, deren Nummer ich glücklicherweise im Handy eingespeichert habe. Die Frau am anderen Ende der Leitung spricht mit dem Beamten, und erklärt mir anschliessend die Lage:

Im Flugzeug muss man einen Wisch ausfüllen, in dem steht, wo in Japan man wohnen wird. Ich muss beim Ausfüllen wohl einen Fehler gemacht haben, jedenfalls erklärt mir die Botschafterin, dass die Adresse nach der Überprüfung im Amt nicht mit Ihrer Adresse übereinstimmt. Das Amt wertet dies nun als betrügerische Einwanderung.

Ich erkläre den Sachverhalt der Botschafterin, die wiederrum mit dem Beamten spricht. Doch der liest ihr aus einem Folianten einen Gesetzestext vor, in dem Unmissverständlich steht, dass falsche Eingaben bei der Einwanderung zur wiederausweisung führen. Der Grund für das rigorose Vorgehen sei der hohe Zahl von illegalen Einwanderern aus Südostasien. Scheisse ey, Rassismus gibts überall!

Ich werde jetzt also abgeschoben, wegen illegaler Einwanderung. Ist das nicht ein Witz? Weil die Lufthansa so schnell keinen Platz mehr hatte, wird mein Rückflug „erst“ in 3 Tagen sein. Scheisse, das werden die kürzesten 3 Tage meines Lebens…