Regenzeit, Tierwelt, Projekt.

9 07 2009

Regenzeit. Schwül. Klebrig. Ein T-Shirt hält nur einen halben Tag. An Fahrradtouren oder ähnliches ist garnicht zu denken! Es regnet fast jeden Tag, mal mehr, mal weniger, mal morgens, mal abends, mal den ganzen Tag. Mit etwas Glück ist ein Tag in der Woche regenfrei, und trotzdem sauheiß. Und so geht das hier jedes Jahr für 2 Monate!

Während sich die menschlichen Bewohner Japans damit abgefunden haben, freut sich die Pflanzen- und Tierwelt nen Keks. Die Stärke der Regenfälle hat direkte Auswirkung auf die japanische Ökonomie. Fällt zuwenig Regen, ist die Reisernte mies, und an der Reisernte hängt in diesem doch so industriellen Land verdammt viel. Die Stadt mag noch so gross sein, normalerweise muss man nicht weit rausfahren um Reisfelder zu finden. Stadt und Land sind hier nicht unbedingt Gegensätzlich, vielmehr beflecken sie sich gegenseitig. Und in den Essschälchen ist Reis noch viel Präsenter als in der Nachbarschaft.

Da Reis Wasser geradezu frisst (Osmose, nä? Deswegen packt man die Körners ja auch in’n Salzstreuer) ist also halb Japan unter Wasser. Und jeder weiss, was passiert, wenn Wasser und Wärme zusammenkommen: Das Leben dreht völlig durch. Mücken und anderes Geschmeiß legt seine Eier, Grillen zirpen Heavy Metal, riesige Turbospinnen rennen wie bekloppt durch die Gegend, dicke, schwarze Käfer summen den Walkürenritt und taumeln durch die Luft, Ameisen bauen überall Autobahnen. Ich weiss das, ich bin Live dabei. Unzählige Mückenstiche. Lärmbelästigung am Abend. Abstumpfende Arachnophobie. Todesangst, von diesen gigantischen Käfern angegriffen zu werden.Ein Ameisenparkplatz im Klopapier.

Auf der anderen Seite die Räuber, die sich an dem reichhaltigen Insektenangebot laben. Frösche, die jeden Abend Jazzkonzerte geben. Fledermäuse, die hektisch und trotzdem elegant durch die Luft huschen. Krähen, die sich mit den Käfern anlegen. Noch mehr Spinnen, die immer grösser werden, immer schneller rennen, immer höher springen können. Bis auf letzteres habe ich nie Probleme mit den Räubern gehabt. Im Gegenteil. Letztes Wochenende waren wir nachts mit Hiro in einem Tempelchen mitten in den Reisfeldern. Eine Flasche Wein, Bongos, und ein Saxofon und wir haben zusammen mit den Fröschen musiziert. Dass im Dach des Tempels riesige Spinnen Jagd auf unzählige Mücken gemacht haben, die wiederrum äusserst erfolgreich Jagd auf unser Blut gemacht hatten, geriet zu Nebensache. Es gab nur uns und die Frösche.

Jetzt aber sitze ich wieder in dem kleinen Haus. Draussen zirpt eine Grille (es ist noch früh, die Viecher proben noch im Stillen für den grossen Auftritt heute abend), und ein Vogel zwitschert ein bisschen faul vor sich hin. Ich sitze derweilen an einem ehrgeizigen Projekt, schon seit 3 Wochen: Demnächst geht meine Webseite online, mit der ich meine „Skills“ im Bereich von Webdesign/-programmierung/3D-Gelöte präsentieren will. Bis dahin ist aber noch viel zu tun. Die Regenzeit fliegt.

Advertisements