Endlich Ruhe!

31 08 2009

Von draussen dringt nur das Rascheln des Grünzeugs im Wind durchs offene Fenster. Ab und zu zwitschert ein Vöglein, irgendwo bellt ein Hund. Aber endlich! Keine quäkenden Lautsprecherwagen mehr! Keine Megafone, keine Hymnen, kein „arigatou gozaimasu“ mehr!

Seit mindestens einem Monat fuhr hier jeden Tag ein Auto von Jiminto, Minshito oder der bekloppten Glücksrealisierungspartei (eine politische Sekte) vorbei, bedankten sich Lautstark bei allen und jedem, begrüßten alle, winkten unermüdlich und machten überhaupt viel Trara. Da lobe ich mir den Plakatwahlkampf in Deutschland, der zwar das Strassenbild verschandelt, von dem man aber wenigstens zuhause verschont ist.

Der Wahlkampf ist also vorbei, die Würfel sind gefallen. Das Ergebnis ist alles andere als eine Überraschung: Die Regierungspartei Jiminto (Liberaldemokraten) hat ordentlich auf den Deckel bekommen, die Demokratische Partei (Minshito) ist der strahlende Wahlsieger und wird die neue Regierung stellen. Überraschend ist aber weniger der Regierungswechsel, auch wenn es (fast) der erste seit einem halben Jahrhundert ist. Überraschend ist die Deutlichkeit, mit der die Liberaldemokraten verloren haben. Von den vormals 300 Parlamentssitzen, die nach einfachem Mehrheitswahlrecht vergeben werden, kommt die Ex-Regierungspartei nur noch auf 119. Sogar in Liberaldemokratischen Hochburgen oder da, wo politische Schwergewichte wie ehemalige Premierminister angetreten waren, konnte die Demokratische Partei die Mehrheit der Stimmen für sich gewinnen.

Die Unzufriedenheit mit der Regierung muss sehr gross gewesen sein, denn wirklich groß scheint das Vertrauen in die Demokraten nicht zu sein. Immerhin gab es vor einigen Monaten einen handfesten Parteispendenskandal, der den mächtigen Parteichef der Demokraten Ozawa zum Rücktritt zwang. Ozawa war früher übrigens Parteichef bei den Liberaldemokraten, und hat offenbar sehr gute „Beziehungen“ zu Bürokratie und Kapital. Und Ozawa, da sind sich alle einig, zieht die Fäden hinter  dem designierten Premierminister Hatoyama (der übrigens aussieht wie ein Frosch). Deswegen wird der Regierungswechsel wohl kaum einen Politikwechsel zur Folge haben. Also: Raider heisst jetzt Twix, sonst ändert sich nix. Wenigstens dahingehend kann man sich in Japan richtig zuhause fühlen.





Unsanftes Erwachen

11 08 2009

Heute morgen wurde ich aus dem Schlaf gerüttelt – von der Erde. Einem leichten Zittern, ein bisschen als würde man auf einer Brücke stehen und ein riesiger Lastwagen an einem vorbeifahren, folgte ein richtiges Schwanken der Welt. Die Schiebetüren klapperten zunächst, und schepperten dann richtig. Sofort war ich Hellwach, nach 10 Sekunden war der Spuk vorbei. Wir machten den Fernseher an, wo ein Sprecher schon das Epizentrum (in Shizuoka, zwischen hier und Tokyo, also nicht so besonders weit) und die Magnitude vorlas (Im Epizentrum 6, bei uns 4)  sowie eine Tsunamiwarnung ausgab. Das sah so aus:

Heute Morgen wurden dann im Fernsehen die Schäden dokumentiert. Der Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen zwischen Tokyo und Nagoya steht still, weil die Gleise nach Schäden untersucht werden müssen. Eine Autobahn ist ein Stückchen abgerutscht, einige Scheiben zu Bruch gegangen, in Shizuoka (wo das Epizentrum lag) wurden einige Gebäude beschädigt. Shizuoka ist ohne Strom und Wasserversorgung. Ausserdem gab es eine Handvoll verletzte.

Am Abend zuvor liefen im Fernseher noch die massiven Zerstörungen eines Unwetters ein ganzes Stück weiter südlich. Der Taifun Nummer 9 (die Taifune bekommen hier keine poetischen Namen, sondern werden ganz profan durchgezählt. Normal sind ca. 20 pro Saison.) hatte das Unwetter vor sich hergetrieben, und in der Gegend wo es am schlimmsten war fiel die durchschnittliche Regenmenge eines Monats in einer Stunde. Eine Frau berichtete, der Regen habe sich wie ein Wasserfall angefühlt. Bäche wurden zu reissenden Strömen, Häuser wurden weggeschwemmt. Auf dem Weg zu den Evakuierungsstellen sind einige ältere Leute und Kinder weggeschwemmt worden. 13 Tote waren gestern bestätigt, weitere 10 wurden noch vermisst.

Der Taifun war auf dem Weg zu uns. Für heute wurde gestern hier 200mm Regen vorausgesagt. Heute morgen dann die Entwarnung: Der Taifun hat sich ein Stück weggedreht und tobt sich wohl über dem Pazifik aus.

Mit ein bisschen Pech kann es also durchaus passieren, dass dir ein Taifun das Dach vom Kopf weht, die Springflut dein Fundament unterspült und gleichzeitig ein Erdbeben die Wände umkippt. Ich frage mich wie man auf die Idee kommt in einem solchen Land Atomkraftwerke zu bauen!?

Das heute Nacht war mein zweites Erdbeben hier, das erste war allerdings sehr leicht. Ich habe mich früher gefragt, wie das so ist. Jetzt weiss ich es. Die größte Sorge ist, dass das Haus zu schaden kommt, oder sogar einstürzt. Das Haus, diese Schale, die einen vor der feindlichen Natur schützt. Ein Panzer, immer da, immer sicher. Eine schlimme Vorstellung, seinen Lebensraum durch eine Naturkatastrophe zu verlieren. Ich bin froh dass nichts passiert ist, und ich bin in Gedanken bei allen, die durch eine solche Katastrophe so vieles verloren haben.





Nur kurz: Projekt fertig!

5 08 2009

Ich habs endlich geschafft: Meine Website ist fertig, ich kann jetzt mit Fug und Recht behaupten, AS3 und Papervision (muss man beides nicht kennen ;)) zu können. Ganz fertig ist die Seite noch nicht, ein paar Sachen müssen noch gemacht werden. Aber der Hauptcontent steht, und das is das wichtigste.

Über Feedback freu ich mich natürlich!

Hier is das Ding:

www.ravemotion.de

Da ich jetzt wieder zumindest ein bisschen mehr Zeit habe werd ich hier auch bald wieder ein paar neue Berichte aus Fernost reinstellen 🙂