Abschiedsfeier die zweite

23 02 2010

Was für eine Party! Fast 30 Leute, ich mit Krawatte und Rede gehalten, 6 Stunden den Bauch vollgeschlagen, insgesamt 10 Stunden gefeiert, gesungen, umarmt, verabschiedet, alles Gute gewünscht, ungefähr 10 Kilo Geschenke bekommen, immer noch gerührt.

Mein Abschiedsparty vor ziemlich genau einem Jahr war ja in meiner Wohnung, das wäre diesmal nicht möglich gewesen, dafür ist der Wohnraum hier zu klein. Stattdessen hieß es ab 20h letzten Samstag „Hakkenden“, ein berüchtigtes Izakaya hier ganz in der Nähe. Eigentlich eine Kette, ist diese spezielle Filiale durch die Nähe zur Kunsthochschule aber soetwas wie ein Heim der feiernden Studentenschaft geworden.

Im Vorfeld hatten leider einige Leute abgesagt, wie z.B. der Französischlehrer Brice, der mir im November fast einen Job verschafft hätte (meine nur noch kurze Aufenthaltsdauer kam dazwischen) oder der Kapitän meiner Fussballmannschaft Tominaga. Dafür kamen einige von wirklich relativ weit weg, die ich eigentlich nur der Höflichkeit halber eingeladen hatte, ohne wirklich daran zu glauben dass sie kommen. Shota aus Tokyo oder Shigeru aus Ise zum Beispiel. Ausserdem Eriko aus Kanazawa ach und 1000 andere, die hier alle aufzuzählen eh nix bringt weil die ja keiner kennt (ausser Georg). Einfach ungefähr alle!

Ein paar Bilder:

Während ich meine Rede halte werde ich von den Mädchen angehimmelt...

... Und von den Jungs ausgelacht 😉

Danach gibts wohlverdienten (hab mich auf japanisch durch die Rede geholpert) Applaus und Bier

Die Mitglieder des F.C. Tomichan, die gekommen waren, beim etwas verfrühten Abschieds – war aber auch ein „Auswärtsspiel“ für sie, waren etwa eine Stunde mit dem Auto angereist

Später haben wir noch die Karaokeanlage eingeschaltet - die Unschärfe des Bildes dürfte ungefähr mit der Kakophonie des Gesangs übereinstimmen 😀

Es gibt noch Videos mit Gesang, die erspare ich euch aber lieber. Nori hat mir ein grossartiges Lied beigebracht (von ihm selbst nach traditioneller Rezeptur geschrieben), vielleicht gebe ich das mal zum besten wenn ich eine Shamisen zur Hand habe.

Mit wieder-zurück-in-Deutschland, Geburtstag und Einweihung stehen ja schon die nächsten Parties vor der Tür – alle mitlesenden sind natürlich eingeladen. Keine Kehle soll trocken bleiben, wer nachts schlafen will brauch aber garnich erst fragen!

Ansonsten: Der Pilotenstreik wurde leider ja von der korrupten Gerichtsbarkeit der Bourgeoisie gestoppt, so dass meine leise Hoffnung auf ein paar Stunden länger hier wohl vergebens waren. Dafür seh ich euch dann alle bald wieder, und das ist ja auch schön 🙂





Guten Rutsch aus dem frohen Neuen!

1 01 2010

Dies ist ein Blogeintrag aus der Zukunft. Hier ist es nämlich schon 2010 und das Jahr des Tigers, während ihr in Deutschland noch 7 Stunden im Jahr 2009 und dem Jahr der Kuh seid. Mir kann man also schon ein frohes Neues wünschen, während ich einen „guten Rutsch“ zurückgeben würde.

Wir sind in Kanazawa bei der Familie. Im Fernsehen läuft das Neujahrskonzert, wie jedes Jahr. Alle Stars und Sternchen treten auf und erinnern an ihre Existenz. Gleichzeitig schlagen wir uns die Bäuche mit allerlei Leckereien voll. Soeben sind wir von dem Tempelbesuch zurückgekehrt, wo die Tempelglocke 108 mal geschlagen wird. Ich hab auch einmal schlagen dürfen, wer sich ein Bild davon machen will, kann in diesem alten Blogeintrag mal gucken, der Tempel, die Glocke und die Uhrzeit sind die gleichen. Morgen gibts dann Geschenke, den Schreinbesuch (das beenden des alten Jahres gehört dem Buddhismus, das Begrüßen des neuen dem Shintoismus) noch mehr Essen und VIEL Schnee. In Kanazawa ist es Arschkalt (ein Wort, was ich hier schon diversen Leuten beigebracht habe, die sich alle über diese Merkwürdigkeit der deutschen Sprache amüsieren), und der Wettergott im Fernsehen hat mit einem Meter Schnee gedroht. Bei der Übersicht der Wetter der verschiedenen Städte gab es ein Piktogramm, was hier vorher noch niemand gesehen hatte: Nicht nur einen Schneemann, sondern einen, der geradezu im Schnee versinkt! Der Schreinbesuch morgen verspricht also Interessant zu werden!

So, zurück auf den Heizteppich und die Beine unter den Heiztisch gesteckt! Mit heißem Tee und Süßigkeiten, den dicken Socken, die mir Oma gestrickt hat und dem Kerosinofen voll aufgedreht lässt sich der Winter hier trotz Einfachverglasung und papierdünnen Wänden gut aushalten.

Also, frohes Neues, oder guten Rutsch, oder was auch immer!





Frohe Weihnachten – Merii Kurisumasu (ja, das ist japanisch)

25 12 2009


In Deutschland dauert es noch ein paar Stunden bis zur Bescherung, wir haben das schon hinter uns gebracht. Dabei gibts in Japan die Geschenke normalerweise erst am 25. morgens. Wie ihr (nicht mehr) seht, haben wir einen „richtigen“ Weihnachtsbaum, Geschenke, Kerzen und Sekt. Der Baum ist wahrscheinlich aus China, Der Sekt aus Italien, die Geschenke aus Japan.
Vor der Bescherung gabs ein wunderbares Essen in einem Izakaya, einem japanischen Restaurant/Kneipe. Jede Menge bester Fisch, Fleisch und Gemüse – verflucht, das werde ich in Deutschland vermissen. Ausserdem nostalgische japanische Schlager aus den 60ern und 70ern. Hörprobe:

In diesem Lied geht es um das Gefühl, ein Vertrauen in die Welt zu haben, wie man es nur in der Jugend haben kann. „Natsukashii“ heißt dieses Gefühl der Nostalgie, was hier in Liedern immer sehr groß geschrieben wird.

An dieser Stelle wünsche ich allen ein frohes Winterfest, egal wie heidnisch, christlich, buddhistisch oder atheistisch man es begeht. Ich bin auch ein bisschen froh, dass man im Supermarkt endlich keine Weihnachtslieder mehr hören muss (ja, auch hier!).





Regenzeit, Tierwelt, Projekt.

9 07 2009

Regenzeit. Schwül. Klebrig. Ein T-Shirt hält nur einen halben Tag. An Fahrradtouren oder ähnliches ist garnicht zu denken! Es regnet fast jeden Tag, mal mehr, mal weniger, mal morgens, mal abends, mal den ganzen Tag. Mit etwas Glück ist ein Tag in der Woche regenfrei, und trotzdem sauheiß. Und so geht das hier jedes Jahr für 2 Monate!

Während sich die menschlichen Bewohner Japans damit abgefunden haben, freut sich die Pflanzen- und Tierwelt nen Keks. Die Stärke der Regenfälle hat direkte Auswirkung auf die japanische Ökonomie. Fällt zuwenig Regen, ist die Reisernte mies, und an der Reisernte hängt in diesem doch so industriellen Land verdammt viel. Die Stadt mag noch so gross sein, normalerweise muss man nicht weit rausfahren um Reisfelder zu finden. Stadt und Land sind hier nicht unbedingt Gegensätzlich, vielmehr beflecken sie sich gegenseitig. Und in den Essschälchen ist Reis noch viel Präsenter als in der Nachbarschaft.

Da Reis Wasser geradezu frisst (Osmose, nä? Deswegen packt man die Körners ja auch in’n Salzstreuer) ist also halb Japan unter Wasser. Und jeder weiss, was passiert, wenn Wasser und Wärme zusammenkommen: Das Leben dreht völlig durch. Mücken und anderes Geschmeiß legt seine Eier, Grillen zirpen Heavy Metal, riesige Turbospinnen rennen wie bekloppt durch die Gegend, dicke, schwarze Käfer summen den Walkürenritt und taumeln durch die Luft, Ameisen bauen überall Autobahnen. Ich weiss das, ich bin Live dabei. Unzählige Mückenstiche. Lärmbelästigung am Abend. Abstumpfende Arachnophobie. Todesangst, von diesen gigantischen Käfern angegriffen zu werden.Ein Ameisenparkplatz im Klopapier.

Auf der anderen Seite die Räuber, die sich an dem reichhaltigen Insektenangebot laben. Frösche, die jeden Abend Jazzkonzerte geben. Fledermäuse, die hektisch und trotzdem elegant durch die Luft huschen. Krähen, die sich mit den Käfern anlegen. Noch mehr Spinnen, die immer grösser werden, immer schneller rennen, immer höher springen können. Bis auf letzteres habe ich nie Probleme mit den Räubern gehabt. Im Gegenteil. Letztes Wochenende waren wir nachts mit Hiro in einem Tempelchen mitten in den Reisfeldern. Eine Flasche Wein, Bongos, und ein Saxofon und wir haben zusammen mit den Fröschen musiziert. Dass im Dach des Tempels riesige Spinnen Jagd auf unzählige Mücken gemacht haben, die wiederrum äusserst erfolgreich Jagd auf unser Blut gemacht hatten, geriet zu Nebensache. Es gab nur uns und die Frösche.

Jetzt aber sitze ich wieder in dem kleinen Haus. Draussen zirpt eine Grille (es ist noch früh, die Viecher proben noch im Stillen für den grossen Auftritt heute abend), und ein Vogel zwitschert ein bisschen faul vor sich hin. Ich sitze derweilen an einem ehrgeizigen Projekt, schon seit 3 Wochen: Demnächst geht meine Webseite online, mit der ich meine „Skills“ im Bereich von Webdesign/-programmierung/3D-Gelöte präsentieren will. Bis dahin ist aber noch viel zu tun. Die Regenzeit fliegt.





Kyoto protokolliert

16 06 2009

Samstag, 10:00

Der Shinkansen fährt uns von Nagoya nach Kyoto. Es ist unglaublich früh. Wir sind am Abend vorher in die Hochschule gegangen, um den Kinofilm zu Neon Genesis Evangelion zu sehen. Natürlich habe ich nichts verstanden, die Bilder waren aber schön bunt. Anschliessend Bier.

10:40

Ankunft. Riesiger Bahnhof. Der Bus fährt uns durch das Verkehrchaos zum Hotel. Kyoto ist staubig, voller Autos, und heiss.

12:00

Wir betreten den ersten Schrein. Hier und drumherum gibt es keine Staus, keinen Staub. Der Schrein schmiegt sich an einen Baumbewachsenen Hügel an, drumherum alte, niedrige japanische Häuser. In dem Schatten der Bäume ist die Luft angenehm kühl und frisch. Der Garten ist wunderschön, die schlichte Gartenarchitektur mit ihren immer wieder kehrenden Motiven Wasser, Stein, Grün einfach elegant.

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Ich gönne mir anschliessend eine Schale grünen Tee, und bewundere die leuchtenden Farben:

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Am Philosophenpfad, der sich zusammen mit einem murmelnden Bach den Berg entlangschlängelt und von Kirschbäumen gesäumt ist, spazieren wir weiter. Ein alter Mann, der uns bemalte Steine verkaufen will, befiehlt uns geradezu einen anderen Schrein statt des berühmten Nanzen-ji zu besuchen. Wir folgen seiner eindringlichen Bitte, und finden uns auf einem verwunschenen Friedhof auf einer Lichtung wieder:

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Dahinter ging ein Trampelpfad in den Wald, diverse Hinweisschilder auf giftige Schlangen waren aber Grund genug, nicht zu weit zu gehen.

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15:00

Wir treffen uns mit Chisato, die damals Ryohey in Bremen war. Dafür müssen wir wieder mit dem überfüllten Bus in das Verkehrschaos fahren. Als wir schliesslich da aussteigen, wo es am wuseligsten ist, fällt mir eine kleine Gruppe Demonstranten ins Auge:

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Ich komme mit einem älteren Aktivisten ins Gespräch, der perfekt Englisch spricht. Anlass des Protests war ein Aufmarsch von ZaiTokuKai in der Innenstadt, eine rechtsextremistische Organisation, die Ausländern die Menschenrechte aberkennt, und sie generell als Kriminell beschimpft. Ein ekelhaftes, lautes Pack, das mit der japanischen Version der Reichkriegsfahne durch die Strassen marschiert, und seine Menschenfeindlichen Parolen gröhlt. Es war der erste Aufmarsch dieser Horde in Kyoto, und war verantwortlich für einen Grossteil des Verkehrchaos. Hier ein Artikel, der über eine ungerechtfertigte Inhaftierung eines Gegendemonstranten bei einem solchen Aufmarsch berichtet. Die Nazis in Japan sind genauso widerlich wie in Deutschland…

Nachdem ich mich mit dem Aktivisten länger darüber unterhalten habe, wie unsere jeweiligen Regierungen immer noch Symbole aus der jeweiligen Nazizeit benutzen, kamen auch Chisato und ihr Freund, und wir gingen ein Eis essen. So richtig geniessen konnte ich das Eis nicht, die Nazibrut hatte mir den Appetit verdorben.

17:00

Wir gehen zu der „humid“-Ausstellung. Wie ich im letzten Post schon schrieb, fand diese in einer alten Grundschule statt. Die Atmosphäre war grossartig.

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Das alte Gebäude fand ich beeindruckender als die darin ausgestellte Kunst, aber man muss das ja auch ein bisschen als Einheit begreifen. Der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt!

21:00

Mit den Künstlern noch Essen und Trinken gehen. In Deutschland würde man sagen „noch ein Bierchen trinken“ – das passt hier aber irgendwie nicht. Sauf- und Fressorgie wiederrum klingt so unkultiviert, was angesichts des grossartigen Essens nicht passt. Immer wieder toll jedenfalls.

Achja: Das Tofu in Kyoto ist das beste der Welt. Eigentlich kann ich Tofu nicht leiden, schmeckt nach nix, und hat dabei nicht die Vorzüge von anderen Sachen, die nach nichts schmecken (erfrischend oder zumindest Geschmacksverstärkend wie Mozarella). Tofu ist einfach arschlangweilig. Ausser in Kyoto. Cremig! Auf der Zunge schmelzend! Frisch! Ein bisschen Süß-Sauer, aber nur ganz dezent! Ein Gaumenschmaus. Und ziemlich teuer…

23:00

Kyoto ist die schönste Stadt der Welt.

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Sonntag, 10:00

Wir gehen zum Markt, und kaufen Fisch und Reis, den wir am malerischen Fluss essen. Dazu streiten wir uns etwa eine Stunde, weil ich keine Schuhe kaufen gehen möchte.

12:00

Wir besuchen den Kiyomizu-dera, den berühmtesten buddhistischen Tempel in Kyoto. Die Touristenmassen auf dem Weg dahin schrecken uns ab, wir kämpfen uns aber durch. Und werden belohnt. Die Tempelanlage ist sehr gewaltig. Der Haupttempel steht auf gigantischen Holzpfeilern und ist an eine Klippe angelehnt. In Japan motiviert man sich mit dem (ungefähren) Spruch: „Ich kann das so sicher schaffen, wie man stirbt, wenn man vom Kiyomizu-dera springt.“ Ich weiss nicht was daran motivierend ist, aber ich bin mir auch ziemlich sicher, dass man stirbt wenn man da runter springt. Wikipedia behauptet was anderes, Entschluss fällen, springen, abdämpfen, nicht sterben – ich finde meine Version interessanter.

15:00

Ein weiterer Tempel steht auf dem Plan, in diesem ist unter anderem ein kleiner Schrein für den Gott der Zahnschmerzen. Ich grüße ihn freundlich, und freue mich, keine Zahnschmerzen zu haben.

18:00

Wir spazieren durch einen Garten, und finden eine Horde Katzen. Ich will, dass es neun sind, aber auch nach mehrmaligen zählen bleiben es acht. Vielleicht ist eine schon gestorben?

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20:00

Wir essen in einem thailändischen Restaurant. Wenn jemand die Gelegenheit hat „Phuket“ Bier zu trinken – lohnt sich!

21:00

Eine faszinierende Gebetsprozession mit seltsamen Instrumenten in einem weiteren Schrein. Die Performance dauert etwa 2 Stunden, die Leute die über den Kiesboden laufen und nicht wissen, wie man die Sounds bei ihren Digitalkameras ausmacht, nerven. „Laut“ und „nervig“ heissen übrigens auf japanisch beide „urusai“.

Montag

Natur, alte Eisenbahn am Gebirgsfluss entlang, Bambuswald, Aquädukt, Schrein, Bahnhof, Busfahrt nach Nagoya… Ich überlasse euch die Ausmalung der Details. Ich kann die alten Kaiser durchaus verstehen, ich hätte mir wohl auch Kyoto als Hauptstadt und Residenz ausgesucht. Die Stadt hat das, was den japanischen Städten, die ich bisher kenne, abgeht: Grün! Sich an den Fluss setzen hat was von Bremen… Wald und Berge sind einfach wunderschön, gerade auch im Kontrast zu Beton-Nagoya. Die Tempel und Schreine sind majestätisch und elegant.

Dazu kommt noch das, was die Städte hier immer interessant macht, das pulsierende Leben, der Kontrast zwischen Hypermodern und Traditionell, und natürlich grossartiges Essen. Dieser Tofu… Eine solche Stadt zieht Touristen natürlich magisch an. Ich habe mich aber ein bisschen davon gelöst, total genervt von diesen zu sein. Ich hätte nichts dagegen, die Sehenswürdigkeiten nur für mich zu haben – ein bisschen egoistisch wäre das aber schon.





Fussball und Umgebung

24 04 2009

3 Wochen sind ins Land gestrichen, die Kirschblüte ist schon lange vorbei. Nach dem Kirschblütenfest war ich erstmal ne Woche krank (38° – SCHWERES FIEBER!) und war damit beschäftigt, Taschentücher vollzurotzen. Mjam. Genau diese Woche war übrigens die schönste: Herrliches Wetter und volle Kirschblüte. Als ich wieder gesundet war, gab es erstmal 2 Regentage, dann einen Sturmtag, und als sich die Sonne dann mal wieder raustraute waren alle Kirschbäume grün. Tolle Wurst.

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Ich muss mich also mit anderen Highlights Japans begnügen, wenn ich durch die Gegend radele. Hier 2 Fotos, in der Nähe des Bahnhofs Nishiharu aufgenommen:

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Hier vor einigen Jahren hat Jin eine Performance mit dem deutschen Titel „Lichte Nacht“ gehalten. Zu seinem Gedichtvortrag hatte er nachts auf diese Strasse eingeladen, und hatte die Stadtwerke gebeten zu einem bestimmten Zeitpunkt die übedurchschnittlich zahlreichen Laternen auszumachen. rost

Tote Häuser sind keine Seltenheit.

Ansonsten ist zu berichten, dass ich mein erstes Fussballspiel hinter mir habe. Hier ist der Bericht vom F.C. Tomichan (benannt nach seinem Gründer Tomi, auch son Künstler 😉 ) – ich bin auf zwei Bildern sogar zu erkennen! Die Japaner sind alle Dribbelkünstler. Fummelkisten ohne Ende. Da das nicht so mein Spielstil ist und man auf Filz keine Blutgrätschen machen kann, hab ich mich lieber ins Tor gestellt. Leider ging das Spiel trotzdem verloren, an mir lags aber nicht!

Apropos: Gestern nacht musste ich etwas länger wach bleiben. Anstoss beim Spiel Werder gegen HSV war um 3:30. Müde war ich allerdings überhaupt nicht, und musste noch eine Stunde nach dem Spiel, bis etwa 7h morgens, noch Stimmen zum Spiel lesen und mich mit anderen Fans im Worum austauschen. Sehr zu empfehlen übrigens der Live-Ticker von 11 Freunde (von unten nach oben zu lesen)! Auch heute habe ich immer noch irgendwie ein Grinsen im Gesicht 😀





Ohanami!

6 04 2009

Endlich! Die Kirschblüte ist fertig! Japan dreht wie jedes Jahr durch, was ich bisher mangels praktischer Erfahrung nie so richtig nachvollziehen konnte. Nach diesem Wochenende finde ich den Kirschblütenhype aber doch verständlich und gut nachvollziehbar.

Am Freitag war ich in der Stadt, um das Arbeitsamt für Ausländer zu besuchen (noch nix gefunden). Alles sehr busy, und die Sakurabäume, die an jeder Ecke stehen, wirken ein bisschen verloren, wie… rosane Kirschblüten in einem Betonmoloch wie Nagoya nunmal wirken.sakura in nagoya

Auf dem Rückweg bin ich durch den Shonai Ryokuchi Koen spaziert (dessen Name ich mittlerweile ohne Copy & Paste beherrsche). Ich liess mir gemütlich die Frühlingssonne beim schlendern ins Gesicht scheinen, als ich plötzlich in einem hellrosanen Wald (um ehrlich zu sein eher  Wäldchen) stand. Der Blütenduft, das zarte Rosa, der Sonnenschein – wie Frühling!

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Am abend stellte sich eine leichte Ernüchterung ein, als der Wetterfrosch im Fernsehen für den Samstag Regen vorraussagte. Das wahrscheinlich einzige richtig gute Ohanamiwochende sollte also verregnet sein – ein Graus! Wir liessen uns davon aber nicht einschüchtern, und gingen todesmutig am Samstag morgen (naja, mittag) in den Park, um ein schönes Picknickfrühstück abzuhalten. Im Park war schon ordentlich was los: Auf einer grossen Wiese lagen dutzende grosse Plastikplanen, auf denen grillende, trinkende, sich vergnügende Menschen saßen. Kinder tollten zwischen den Kirschbäumen, Omas liessen sich in ihren Rollstühlen durch die Gegend schieben, Vögel zwitscherten in den fluffigen hellrosa Bäumen. Niemand störte sich an dem bisschen Nieselregen, so muss es sein!

Am Abend war ich mit Ryohey verabredet, das nächste Highlight wartete: Yozakura (also das betrachten der Kirschblüte bei Nacht)! Wir fuhren an den Gojogawa (der Fluss, der an einer Stelle gerade kaputtgemacht wird), an dessen Ufer 10.000 Sakurabäume gepflanzt sind. Unter den Bäumen herrscht Volksfest: Eine Bude reiht sich an die andere, um Dango (Snacks und Süßigkeiten) zu verkaufen, das Sprichwort „sakura yori dango“ (Die Kirschblüten sind wichtiger als die Leckereien), störte keinen. Wir genossen also auch einige Leckereien und liessen die über dem Fluss hängenden und von Scheinwerfern beschienenen Kirschblüten auf uns wirken. Einziger Wermutstropfen war der Regen, der zwar einen Grossteil zur schönen Athmosphäre der Sakura im Scheinwerferlicht beitrug, aber halt auch nass und kalt war.

Wir wärmten uns in Ryoheys Atelier auf und begossen unsere trockenen Kehlen mit Bier, und diskutierten über Kunst, Krise, Kapitalismus und Kulturunterschiede, bis der letzte Zug kam.

Am Sonntag war es dann nicht so leicht aufzustehen, dabei waren wir doch mit Shouko unter den Kirschbäumen des Gojogawa zum Zechen verabredet. Mit Bier und Sushi im Gepäck radelten wir also den Fluss entlang, und die Tatsache, dass Shouko auf dem Gepäckträger saß und mich zu grösserer Eile antrieb, gab mir endlich mal die Gelegenheit, den Satz „boku wa uma janai!“ (ich bin kein Pferd!) zu sagen.

Sakura am Gojogawa

Im Laufe des abends trafen wir übrigens zufällig Ryohey, sowie Hiro und Yo und einen weiteren, dessen Name zu lang zum merken war. Der Mond schien durch die Kirschblüten auf das Flussufer, an dem wir saßen und Dango und Biiru genossen.

Später gingen wir noch gegrillte Innereien essen (mit denen ich mich immer noch nicht anfreunden konnte), und in einem chinesischen Restaurant einen Likör trinken, der stark nach Sojasoße schmeckte.

Ohanami ist hier wirklich high-life. Der Grund ist, dass zur gleichen Zeit, wie die Kirsche blüht (die übrigens keine Früchte trägt), auch das neue Schul- und Arbeitsjahr beginnt, das heisst Alteingesessene und Novizen kommen zusammen, und können sich Saketrinkend unter den Kirschbäumen kennenlernen. Abgesehen davon kann man sehr schön über Leben und Tod nachdenken, während man ins nur so kurz andauernde Rosa blickt.

Heute abend rief mich übrigens Jin an, ob ich nicht mit in einen Park kommen möchte, ein bisschen Ohanami feiern. Ich glaube aber ich brauch mal ne Pause… So viel Spass wie das saufen unter Kirschbäumen auch macht, der Kater am nächsten Tag ist der gleiche wie ohne Kirschblüte.