Abschiedsfeier die zweite

23 02 2010

Was für eine Party! Fast 30 Leute, ich mit Krawatte und Rede gehalten, 6 Stunden den Bauch vollgeschlagen, insgesamt 10 Stunden gefeiert, gesungen, umarmt, verabschiedet, alles Gute gewünscht, ungefähr 10 Kilo Geschenke bekommen, immer noch gerührt.

Mein Abschiedsparty vor ziemlich genau einem Jahr war ja in meiner Wohnung, das wäre diesmal nicht möglich gewesen, dafür ist der Wohnraum hier zu klein. Stattdessen hieß es ab 20h letzten Samstag „Hakkenden“, ein berüchtigtes Izakaya hier ganz in der Nähe. Eigentlich eine Kette, ist diese spezielle Filiale durch die Nähe zur Kunsthochschule aber soetwas wie ein Heim der feiernden Studentenschaft geworden.

Im Vorfeld hatten leider einige Leute abgesagt, wie z.B. der Französischlehrer Brice, der mir im November fast einen Job verschafft hätte (meine nur noch kurze Aufenthaltsdauer kam dazwischen) oder der Kapitän meiner Fussballmannschaft Tominaga. Dafür kamen einige von wirklich relativ weit weg, die ich eigentlich nur der Höflichkeit halber eingeladen hatte, ohne wirklich daran zu glauben dass sie kommen. Shota aus Tokyo oder Shigeru aus Ise zum Beispiel. Ausserdem Eriko aus Kanazawa ach und 1000 andere, die hier alle aufzuzählen eh nix bringt weil die ja keiner kennt (ausser Georg). Einfach ungefähr alle!

Ein paar Bilder:

Während ich meine Rede halte werde ich von den Mädchen angehimmelt...

... Und von den Jungs ausgelacht 😉

Danach gibts wohlverdienten (hab mich auf japanisch durch die Rede geholpert) Applaus und Bier

Die Mitglieder des F.C. Tomichan, die gekommen waren, beim etwas verfrühten Abschieds – war aber auch ein „Auswärtsspiel“ für sie, waren etwa eine Stunde mit dem Auto angereist

Später haben wir noch die Karaokeanlage eingeschaltet - die Unschärfe des Bildes dürfte ungefähr mit der Kakophonie des Gesangs übereinstimmen 😀

Es gibt noch Videos mit Gesang, die erspare ich euch aber lieber. Nori hat mir ein grossartiges Lied beigebracht (von ihm selbst nach traditioneller Rezeptur geschrieben), vielleicht gebe ich das mal zum besten wenn ich eine Shamisen zur Hand habe.

Mit wieder-zurück-in-Deutschland, Geburtstag und Einweihung stehen ja schon die nächsten Parties vor der Tür – alle mitlesenden sind natürlich eingeladen. Keine Kehle soll trocken bleiben, wer nachts schlafen will brauch aber garnich erst fragen!

Ansonsten: Der Pilotenstreik wurde leider ja von der korrupten Gerichtsbarkeit der Bourgeoisie gestoppt, so dass meine leise Hoffnung auf ein paar Stunden länger hier wohl vergebens waren. Dafür seh ich euch dann alle bald wieder, und das ist ja auch schön 🙂

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Der Abschied naht

18 02 2010

Die letzten Tage rasen dahin. Jetzt ist es tatsächlich nur noch eine Woche bis zur Rückkehr. Aufbruchsstimmung kommt keine auf, im Gegenteil. Die Beziehung kriselt, ein Designjob für die Bar in der ich jobbe macht Ärger, ich hab kein Bargeld mehr und dank Sparkassen-2010-Problem auch keine Möglichkeit Geld abzuheben, und zu allem Überfluss hat sich heute die Hoffnung auf ein lustiges Leben in einer 5er WG in Bremen zerschlagen, weil dem Vermieter eine Woche vor Einzug doch noch einfällt, dass er keine WG haben will. Achja, von den eingeladenen Gästen für meine Abschiedsparty im Hakkenden diesen Samstag hat auch etwa ein drittel abgesagt. Lustig wirds natürlich trotzdem.

Auch wenn ich mir vorgenommen habe, die letzten Tage einfach zu genießen, und mich nicht von der unabweichlichen Heimkehr nach Bremen beirren zu lassen, ist das Gemüt im Moment doch eher schattig. Aber das ist glaube ich normal. Wenn ich zurückblicke weiß ich auf jeden Fall, dass es sich absolut gelohnt hat. Ich möchte weder die nicht immer leichte Erfahrung, in einer total fremden Kultur zu leben missen, noch die vielen tollen Erinnerungen an die vielen Erlebnisse hier. Ich habe wirklich unheimlich viel gelernt, und eine absout geile Zeit gehabt.

Alles schöne geht zuende, die Zukunft kommt immer. Ich mache mir keine existentiellen Sorgen, was sie bringt, bisher ist immer alles gut gegangen. Einfach wirds nicht, ich werde mich wieder an eine andere Kultur gewöhnen müssen, Arbeit finden, Wohnung finden. Dabei habe ich aber einen großen Vorteil: Freunde habe ich schon, und das ist bekanntlich am wichtigsten 🙂

In diesem Sinne: Ich freue mich echt, euch alle wieder zu sehen – rocken wir gemeinsam die Zukunft!





zuhause

21 01 2008

Bremen begrüßte mich mit Nieselregen und einer erneuten Fahrpreiserhöhung… 3,15€ musste ich für eine Nachtfahrt löhnen!

Eine 24-Stündige Reise lag hinter mir – erstaunlicherweise ohne wirkliche Komplikationen. Wenn man von Kleinigkeiten wie schreienden Kinder im Flugzeug und prollenden Bundeswehrfronturlaubern im Zug absieht, die mir jeweils den Schlaf geraubt haben. Der Abschied von Yuko war schlimm, aber ich habe das Gefühl, es wird jedesmal leichter, weil die Gewissheit da ist, dass man sich (bald) wiedersieht.

So kann ich nun kurz zurückblicken, bevor ich auf Nahrungssuche gehe. Wenn ich meine ersten Berichte (unter „die alten Berichte“) durchlese, fällt mir auf dass dieses starke Fremdheitsgefühl, das ich in Japan immer verspürte, weitgehend verschwunden ist. Ich fühle mich zwar immer noch überhaupt nicht zuhause, habe aber auch einfach nicht mehr den jungfräulichen Blick auf die Gesellschaft, den man als Neuling in einem seltsamen Land hat. Eigentlich ist das ein gutes Gefühl. Vielleicht ist es schade. In jedem Fall zeigt es, dass ich jetzt eine gewisse Bindung zu dem Land entwickelt habe, die ich nicht missen möchte. In der Tat habe ich mich endlich entschlossen mal (ernsthaft) japanisch zu lernen, damit ich mich mit vielen netten Menschen (z.B. Yukos Eltern, aber auch vielen anderen) endlich richtig unterhalten kann, und beim Einkaufen mehr sagen kann als Bitte und Danke.

Ich habe noch ein bisschen Berichten nachzuholen, vielleicht mache ich das auf der Arbeit :D, haltet die Augen auf. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf das nächste Mal (auf keinen Fall wieder mit Finnair!)… Mal sehen was es dann so gibt 😉